Steckbrief zu Escherichia coli (E. coli) in Kosmetika
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Allgemeines Escherichia coli (E. coli) gehört zur Familie der Enterobacteriaceae und ist ein natürlicher Darmbewohner bei Menschen und Tieren. Sie sind in der Umwelt lange überlebensfähig und gelten als wichtiger Hygieneindikator. Ein Nachweis kann auf unzureichende Hygienemaßnahmen bei der Personalhygiene oder während der Herstellung, der Abfüllung oder Lagerung hindeutet. In kosmetischen Mitteln wird gemäß ISO 17516 die Abwesenheit von E. coli in 1g gefordert.
Eigenschaften
- Stäbchenförmige Bakterien
- Gram-negativ
- Oxidase-negativ
- Katalase-positiv
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Herkunft / Auftreten
- Natürlicher Bewohner des Darmtrakts bei Menschen und Tieren.
- Da einige Vertreter lange in der Umwelt auch außerhalb des Darms überleben können, treten sie ebenfalls in der Erde, in pflanzlichen Rohstoffen und im Oberflächenwasser auf.
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Bedeutung
- Hygieneindikator mit Hinweis auf Verunreinigung fäkalen Ursprungs.
- Hinweis auf mangelnde Produktions- und Personalhygiene.
- Überlebt lange in der Umwelt → mehrere Kontaminationsursachen sind in Erwägung zu ziehen, z.B. verunreinigte pflanzliche Rohstoffe, belastetes Wasser oder Fehler bei der Personalhygiene
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Vermehrungsbedingungen
- Temperatur:
- Optimum: +30 °C bis +37 °C
- Minimum: +7 °C
- Im Allgemeinen keine Vermehrung über +50 °C
- pH-Wert: Wachstum bei 4,4 bis 9,0.
- aw-Wert: Vermehrung bei einer Wasseraktivität von min. 0,95.
- Sauerstoffbedarf: Wachstum mit und ohne Sauerstoff (fakultativ anaerob).
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Abtötung durch Erhitzen
- Bei +72 °C für min. 2 Minuten Einwirkzeit (Achtung: Kerntemperatur kontrollieren).
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| Mögliche Ursachen für überhöhte Keimzahlen |
Vorschläge für Maßnahmen |
Fehler bei der Reinigung und Desinfektion: Die Folge sind Kontaminationen von Kosmetika durch z.B. mikrobiell verunreinigte Arbeitsgeräte, -gegenständen, -oberflächen, Maschinen oder mangelnder Produktionshygiene |
- Durchführung der Reinigung und Desinfektion überprüfen:
- Hygieneplan mit Angaben zur Durchführung der Reinigung und Desinfektion z. B. Dosierung, Einwirkzeit, Einsatz geeigneter und sauberer Materialien und Reinigungstücher
- Schulung der Mitarbeiter bzgl. potenzieller Fehler sowie Verbesserungsmaßnahmen
- Erneute Reinigung und Desinfektion
- Erfolgskontrolle durch Vor-Ort-Kontrollen und Nachuntersuchungen (z. B. auch Abklatsch- und Abstrichuntersuchungen)
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Einsatz mikrobiell belasteter Rohstoffe: Wenn zur Produktion mikrobiell belastete Rohstoffe eingesetzt werden und sich in den weiteren Produktionsschritten keine sicheren Abtötungsschritte befinden, ist das Produkt dadurch ebenfalls potenziell mikrobiell belastet |
- Kontrolle der Produkte am Wareneingang auf z. B. Haltbarkeit, Verpackung, Abweichungen bzw. mikrobiologische Auffälligkeiten
- Dies gilt ebenso für die Ware vor dem Einsatz in der Produktion. Im Verdachtsfall Rohstoffe nicht verwenden
- Mikrobiologische Spezifikationen überprüfen. Eventuell auch Laboruntersuchung verdächtiger Produkte veranlassen oder Ergebnisse vom Lieferanten anfordern
- Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen
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Fehlerhaftes Konservierungssystem: Ein unzureichendes Konservierungssystem hat eine unerwünschte Vermehrung oder unzureichende Abtötung von Mikroorganismen zur Folge |
- Einhaltung der Rezeptur sicherstellen
- Eventuell Konservierungsbelastungstest (Challenge-Test) durchführen
- Eventuell Konservierungssystem anpassen
- Erfolgskontrolle durch einen erneuten Konservierungsbelastungstest
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Produktionsfehler: Fehlerhafte Prozesse, z.B. durch unzureichende Mischzeiten, Rezepturabweichungen, unzureichende Erhitzung oder Kreuzkontamination |
- Produktionsprozesse prüfen und dokumentieren
- Schulung des Personals
- Erfolgskontrolle durch regelmäßige mikrobiologische Produktuntersuchungen
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Unzureichende Trennung von „rein und unrein“: Die Folge sind unerwünschte Verunreinigungen reiner Arbeitsbereiche, Geräte oder keimarmer Rohstoffe/Produkte mit Mikroorganismen, die von „unreinen“ Tätigkeiten oder Rohstoffen mit hoher Keimbelastung stammen (Kreuz-kontaminationen) |
- Arbeitsorganisation im Betrieb überprüfen
- getrennte Arbeitsbereiche, Arbeitsgeräte und -gegenstände
- Trennung „reiner“ und „unreiner“ Bereiche und Tätigkeiten
- Schulung der Mitarbeiter bzgl. potenzieller Fehler sowie Verbesserungsmaßnahmen
- Erfolgskontrolle durch Vor-Ort-Kontrollen und Nachuntersuchungen
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Fehlerhafte Umgebungs- und Lagerbedingungen: Hohe Luftkeimzahlen, hohe Luftfeuchtigkeit oder die Bildung von Kondenswasser können zu mikrobiologischen Kontaminationen führen |
- Prüfung der Luftkeimzahlen und der Belüftungsanlagen durch technische Prüfung sowie Umgebungsuntersuchungen
- Vermeidung hoher Luftfeuchtigkeit und Kondenswasserbildung
- Sachgerechte Reinigung und Desinfektion (siehe unter Abschnitt „Reinigung und Desinfektion“)
- Schulung der Mitarbeiter bzgl. potenzieller Fehler sowie Verbesserungsmaßnahmen
- Erfolgskontrolle durch Vor-Ort-Kontrollen und Nachuntersuchungen
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Fehler bei der Personalhygiene: Dadurch kann es zur Übertragung von Mikroorganismen auf z.B. produktberührende Arbeitsgegenstände oder Kosmetika kommen. Mögliche Fehler sind z.B. unzureichende Händehygiene oder Handschuhwechsel, Mängel bei der Körperhygiene, verunreinigte Arbeitskleidung oder fehlerhaftes Verhalten bei Erkrankungen (z.B. Magen-Darm-Erkrankungen und Infektionen auf der Haut) |
- Schulung der Mitarbeiter bzgl. Hand – und Personalhygiene, potenziellen Fehlern bzw. Verhalten bei bestimmten Erkrankungen
- Kontrolle von Handhygiene, Handschuhwechsel sowie der Sauberkeit der Arbeitskleidung
- Erfolgskontrolle durch Vor-Ort-Kontrollen und Nachuntersuchungen (z. B. auch Abklatsch- und Abstrichuntersuchungen)
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Weitere Informationen und Literatur
https://www.bfr.bund.de/produktsicherheit/gesundheitliche-bewertung-von-kosmetischen-mitteln/
Fachgruppe Mikrobiologie und Betriebshygiene der DGK e.V.
Allgemeine Informationen und Publikationen
https://dgk-ev.de/mikrobiologie-und-betriebshygiene
Fachbuch „DGK-Betriebshygiene in der Kosmetik“
https://www.sofw.com/de/shop/buecher/product/386-dgk-betriebshygiene-in-der-kosmetik-2-ueberarbeitete-ausgabe-2019
Fachbuch „DGK-Konservierung kosmetischer Mittel“
https://www.sofw.com/de/shop/buecher/product/66-dgk-konservierung-kosmetischer-mittel
Fachbereich Kosmetika in der Arbeitsgruppe Lebensmittelchemie, Kosmetik, Gebrauchsgegenstände
der GÖCH
Allgemeine Informationen und Leitfäden
https://www.goech.at/arbeitsgruppen/lebensmittel%2C-kosmetik-%26-gebrauchsgegenst%C3%A4nde
ISO-Norm 17516 zu mikrobiologischen Grenzwerten
https://www.beuth.de/de/norm/din-en-iso-17516/203537217
ISO-Norm 29621 zur Einstufung mikrobiologisch risikoarmer Produkte
https://www.beuth.de/de/norm/din-en-iso-29621/263888044