FAQ - Häufig gestellte Fragen

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Steckbrief zu Staphylococcus aureus in Kosmetika

Allgemeines
Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das häufig auf der Haut und den Schleimhäuten von Menschen und Tieren vorkommt. Es gehört zur Gruppe der koagulase-positiven Staphylokokken.
In kosmetischen Produkten ist S. aureus gefürchtet, da er Haut- und Wundinfektionen, Abszesse sowie Harnwegsinfektionen verursachen kann. In kosmetischen Mitteln wird gemäß ISO 17516 die Abwesenheit von S. aureus in 1g gefordert.

Eigenschaften

  • Kokkenförmige Bakterien
  • Gram-positiv
  • Oxidase-negativ
  • Katalase-positiv
  • Toxinbildner

Herkunft / Auftreten

  • Natürlicher Bestandteil der Hautflora bei Menschen (insbesondere Kopfhaut und Haare) sowie auf Schleimhäuten des Nasen-Rachen-Raumes (z. B. Nasensekret und Speichel).
  • Auftreten in hohen Keimzahlen falls der Erreger verantwortlich ist für Infektionen im Nasen-Rachen-Raum oder bei Wundinfektionen.
  • Auftreten auch bei Nutz- und Haustieren.
  • Aufgrund ihrer weiten Verbreitung bei Mensch und Tier sind diese Keime auch regelmäßig in unserer Umwelt zu finden.

Bedeutung

  • S. aureus ist ein potentieller Infektionserreger in Kosmetika (insbesondere bei verletzten Hautpartien sowie Anwendungen im Nasen, Mund und Ohrenbereich).
  • Hygieneindikator →mangelnde Personalhygiene
  • Relativ resistent gegen Austrocknung (Relevanz bei getrockneten Rohstoffen).

Wichtiger Hinweis

  • Es existieren auch antibiotikaresistente Stämme (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus – MRSA), die z. B. schwere Wundinfektionen hervorrufen können.

Vermehrungsbedingungen

  • Temperatur:
    • Optimum: +35 °C bis +40 °C
    • Minimum: +6 °C
    • Im Allgemeinen keine Vermehrung über +50 °C
  • pH-Wert: Wachstum bei pH 4,5 bis 9,3 (Ausnahmen sogar bis pH 4,0).
  • aw-Wert: Laut ISO-Norm 29621 gelten Kosmetika ab einem aw-Wert von 0,75 als risikoreich, da sich die meisten Bakterien bei dieser Wasseraktivität vermehren können (relativ resistent gegen Austrocknung).
  • Salztoleranz: bis max. 20 %; Vermehrung noch bei 6,5 bis 10 %
  • Sauerstoffbedarf: Wachstum mit und ohne Sauerstoff (fakultativ anaerob).

Abtötung durch Erhitzen

  • Bei +72 °C für min. 2 Minuten Einwirkzeit (Achtung: Kerntemperatur kontrollieren).
Mögliche Ursachen für überhöhte Keimzahlen Vorschläge für Maßnahmen
Reinigung und Desinfektion:
Mikrobiell verunreinigte Arbeitsgeräte, -gegenstände oder -oberflächen, mangelnde Produktionshygiene
  1. Durchführung der Reinigung und Desinfektion überprüfen:
    1. Hygieneplan mit
    2. Details zur Durchführung der Reinigung und Desinfektion z. B. Dosierung des Desinfektionsmittels, Einwirkzeit, Einsatz geeigneter und sauberer Materialien und Reinigungstücher
    3. Vorgaben zur Reinigung und Desinfektion für alle produktberührenden Systeme und Hilfsmittel
  2. Schulung der Mitarbeiter bzgl. potentieller Fehler sowie Verbesserungsmaßnahmen
  3. Erneute Reinigung und Desinfektion
  4. Erfolgskontrolle durch Vor-Ort-Kontrollen und Nachuntersuchungen (z. B. auch Abklatsch- und Abstrichuntersuchungen)
Rohstoffe und Zutaten:
Einsatz mikrobiell belasteter oder falscher Rohstoffe oder Zutaten
  1. Kontrolle der Produkte am Wareneingang auf z. B. Eingangs- bzw. Transporttemperatur, Haltbarkeit, Verpackung, Abweichungen bzw. mikrobiologische Auffälligkeiten
  2. Dies gilt ebenso für die Ware vor dem Einsatz in der Produktion. Im Verdachtsfall Rohstoffe und Zutaten nicht verwenden
  3. Mikrobiologische Spezifikationen überprüfen. Eventuell auch Laboruntersuchung verdächtiger Produkte veranlassen oder Ergebnisse vom Lieferanten anfordern
  4. Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen
Trennung „rein und unrein“:
Unzureichende Trennung von reinen und unreinen Arbeitsbereichen
  1. Arbeitsorganisation im Betrieb überprüfen
    1. getrennte Arbeitsbereiche, Arbeitsgeräte und -gegenstände
    2. Trennung „reiner“ und „unreiner“ Bereiche und Tätigkeiten
  2. Schulung der Mitarbeiter bzgl. potentieller Fehler sowie Verbesserungsmaßnahmen
  3. Erfolgskontrolle durch Vor-Ort-Kontrollen und Nachuntersuchungen
Personalhygiene:
Zum Beispiel Fehler bei der Händehygiene und Sauberkeit der Arbeitskleidung
  1. Schulung der Mitarbeiter bzgl. potentieller Fehler sowie Verbesserungsmaßnahmen
  2. Kontrolle des Wechsels sowie der Sauberkeit der Arbeitskleidung
  3. Erfolgskontrolle durch Vor-Ort-Kontrollen und Nachuntersuchungen (z. B. auch Abklatsch- und Abstrichuntersuchungen)
Umgebungs- und Lagerbedingungen:
Zum Beispiel zu hohe Luftkeimzahlen oder hohe Luftfeuchtigkeit und Bildung von Kondenswasser
  1. Prüfung der Luftkeimzahlen und der Belüftungsanlagen durch technische Prüfung sowie Umgebungsuntersuchungen
  2. Vermeidung hoher Luftfeuchtigkeit und Kondenswasserbildung
  3. Sachgerechte Reinigung und Desinfektion (siehe unter Abschnitt „Reinigung und Desinfektion“)
  4. Schulung der Mitarbeiter bzgl. potentieller Fehler sowie Verbesserungsmaßnahmen
  5. Erfolgskontrolle durch Vor-Ort-Kontrollen und Nachuntersuchungen
Produktionsfehler:
Fehlerhafte Prozesse, z.B. durch unzureichende Mischzeiten oder Kreuzkontamination
  1. Produktionsprozesse prüfen und dokumentieren
  2. Schulung des Personals
  3. Erfolgskontrolle durch regelmäßige mikrobiologische Produktuntersuchungen
Erhitzen:
Fehler bei der Herstellung (z. B. unzureichende Erhitzung)
  1. Prozesse, Produktionsprotokolle und Dokumentationen prüfen
  2. Abtötung der meisten Mikroorganismen ab einer Kerntemperatur von +72 °C für min. 2 Minuten
  3. Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen
Konservierungssystem:
Unzureichendes Konservierungssystem
  1. Konservierungsbelastungstest (Challenge-Test) durchführen
  2. Eventuell Konservierungssystem anpassen
  3. Erfolgskontrolle durch einen erneuten Konservierungsbelastungstest

 

Weitere Informationen und Literatur

https://www.bfr.bund.de/produktsicherheit/gesundheitliche-bewertung-von-kosmetischen-mitteln/

Fachgruppe Mikrobiologie und Betriebshygiene der DGK e.V.
Allgemeine Informationen und Publikationen
https://dgk-ev.de/mikrobiologie-und-betriebshygiene

Fachbuch „DGK-Betriebshygiene in der Kosmetik“
https://www.sofw.com/de/shop/buecher/product/386-dgk-betriebshygiene-in-der-kosmetik-2-ueberarbeitete-ausgabe-2019

Fachbuch „DGK-Konservierung kosmetischer Mittel“
https://www.sofw.com/de/shop/buecher/product/66-dgk-konservierung-kosmetischer-mittel

Fachbereich Kosmetika in der Arbeitsgruppe Lebensmittelchemie, Kosmetik, Gebrauchsgegenstände
der GÖCH
Allgemeine Informationen und Leitfäden
https://www.goech.at/arbeitsgruppen/lebensmittel%2C-kosmetik-%26-gebrauchsgegenst%C3%A4nde

ISO-Norm 17516 zu mikrobiologischen Grenzwerten
https://www.beuth.de/de/norm/din-en-iso-17516/203537217

ISO-Norm 29621 zur Einstufung mikrobiologisch risikoarmer Produkte
https://www.beuth.de/de/norm/din-en-iso-29621/263888044

Steckbrief zu Schimmelpilzen in Kosmetika

Allgemeines
Schimmelpilze sind eine heterogene Gruppe von filamentösen Pilzen. Die meisten Schimmelpilze gehören zu den taxonomischen Gruppen der Schlauchpilze (Ascomycota) und der Jochpilze (Zygomycota).

Schimmelpilze sind in unserer Umwelt weit verbreitet und können deshalb auch in kosmetischen Mitteln vorkommen. In Kosmetika gelten sie als typische Verderbniserreger, die ein hygienisches oder toxikologisches Risiko darstellen können. Die ISO 17516 legt auch Grenzwerte fest für die Gesamtanzahl aerober Mikroorganismen. Dies ist die Summe der Anzahl an Bakterien, Hefen und Schimmelpilzen. Für Kosmetika im Allgemeinen liegen diese Grenzwerte bei 1000 KBE. Für Kosmetika für Kinder unter 3 Jahren sowie bei Anwendungen in sensiblen Bereichen wie Augen, Mund oder im Intimbereich liegt der Grenzwert bei 100 KBE/g

Eigenschaften

  • Sporenbildner
  • Bilden sichtbares Myzel
  • Toxinbildner (Mykotoxine)

Herkunft / Auftreten

  • Schimmelpilze sind in unserer Umwelt weit verbreitet (z. B. Erde, Pflanzen, Luft, Wasser, Menschen, …).
  • Häufige Kontaminationsquellen in Kosmetika sind pflanzliche Rohstoffe, kontaminierte Luft, Staubeinträge, mangelnde Hygiene bei der Herstellung oder Verpackung, Feuchtigkeitseinträge durch z.B. Kondenswasser in geschlossenen Fässern.

Bedeutung

  • Schimmelpilze können zum mikrobiellen Verderb kosmetischer Mittel führen und dadurch die Produktsicherheit, Stabilität und Verbraucherakzeptanz beeinträchtigen.
  • Je nach Zusammensetzung des kosmetischen Mittels (z. B. hoher Wasseranteil, pflanzliche Zutaten) ist ein erhöhtes Risiko für Schimmelpilzbefall gegeben. Eine sichtbare Myzelbildung ist immer ein Hinweis auf Schimmelpilzwachstum und mikrobiellen Verderb.
  • Einige Vertreter von Schimmelpilzen können auch noch bei niedrigen Wassergehalten und/oder niedrigen pH-Werten wachsen.
  • Gesundheitliche Risiken entstehen vor allem bei kontaminierten Produkten, die für die orale Anwendung vorgesehen sind. (Lebensmittel)
  • Da einige Schimmelpilze giftige Mykotoxine bilden können kann ihr verzehr zu Magen-Darm-Beschwerden aber auch zu Vergiftungen, Leberschäden, Allergien und Atemwegserkrankungen führen.

Vermehrungsbedingungen

  • Temperatur:
    • Optimum: +25 °C bis +35 °C
    • Minimum: 0 °C
    • Im Allgemeinen keine Vermehrung bei über +50 °C
  • pH-Wert: Wachstum bei pH 2,0 bis 9,0 (die meisten Vertreter wachsen optimal zwischen 3,5 bis 7,0).
  • aw-Wert: Laut ISO-Norm 29621 gelten Kosmetika ab einem aw-Wert von weniger als 0,75 als risikoarm, da sich Mikroorganismen in der Regel bei dieser Wasseraktivität nicht mehr vermehren können.
  • Einige Schimmelpilze haben osmophile bzw. osmotolerante oder säuretolerante Eigenschaften. Das bedeutet diese können auch noch bei niedrigen Wasser- oder pH-Werten wachsen.
  • Sauerstoffbedarf: aerob (Wachstum nur in Anwesenheit von Sauerstoff).

Abtötung durch Erhitzen

  • Bei +72 °C für min. 2 Minuten Einwirkzeit werden die meisten Schimmelpilze abgetötet (Achtung: Kerntemperatur kontrollieren) → Zu beachten: es existieren aber auch hitzeresistente Schimmelpilz-Vertreter (z. B. Neosartorya fischeri, Byssochlamys nivea, Talaromyces flavus, und Eupenicillium spp.).
  • Schimmelpilz-Sporen werden ab einer Kerntemperatur von +80 °C abgetötet.
Mögliche Ursachen für überhöhte Keimzahlen Vorschläge für Maßnahmen

Fehler bei der Reinigung und Desinfektion sowie unzureichende Hygiene bei der Belüftung:
Die Folge sind Kontaminationen von Kosmetika durch z.B. mikrobiell verunreinigte Arbeitsgeräte, -gegenständen, -oberflächen, Maschinen oder mangelnder Produktionshygiene

Hinweis zur Lufthygiene:

Eine unzureichende Belüftung, unhygienische Belüftungsanlagen, hohe Luftfeuchtigkeit und hohe Feuchte an Decken, Wänden und Fenstern können zu überhöhten Keimzahlen an Schimmelpilzen in der Luft führen

  1. Durchführung der Reinigung und Desinfektion überprüfen:
    1. Hygieneplan mit Angaben zur Durchführung der Reinigung und Desinfektion z. B. Dosierung, Einwirkzeit, Einsatz geeigneter und sauberer Materialien und Reinigungstücher
  2. Schulung der Mitarbeiter bzgl. potenzieller Fehler sowie Verbesserungsmaßnahmen
  3. Erneute Reinigung und Desinfektion
  4. Erfolgskontrolle durch Vor-Ort-Kontrollen und Nachuntersuchungen (z. B. auch Abklatsch- und Abstrichuntersuchungen)
Einsatz mikrobiell belasteter Rohstoffe:
Wenn zur Produktion mikrobiell belastete Rohstoffe eingesetzt werden und sich in den weiteren Produktionsschritten keine sicheren Abtötungsschritte befinden, ist das Produkt dadurch ebenfalls potenziell mikrobiell belastet
  1. Kontrolle der Produkte am Wareneingang auf z. B. Haltbarkeit, Verpackung, Abweichungen bzw. mikrobiologische Auffälligkeiten
  2. Dies gilt ebenso für die Ware vor dem Einsatz in der Produktion. Im Verdachtsfall Rohstoffe nicht verwenden
  3. Mikrobiologische Spezifikationen überprüfen. Eventuell auch Laboruntersuchung verdächtiger Produkte veranlassen oder Ergebnisse vom Lieferanten anfordern
  4. Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen
Fehlerhaftes Konservierungssystem:
Ein unzureichendes Konservierungssystem hat eine unerwünschte Vermehrung oder unzureichende Abtötung von Mikroorganismen zur Folge
  1. Produktionsprozesse prüfen und dokumentieren
  2. Schulung des Personals
  3. Erfolgskontrolle durch regelmäßige mikrobiologische Produktuntersuchungen
Produktionsfehler:
Fehlerhafte Prozesse, z.B. durch unzureichende Mischzeiten, Rezepturabweichungen, unzureichende Erhitzung oder Kreuzkontamination
  1. Produktionsprozesse prüfen und dokumentieren
  2. Schulung des Personals
  3. Erfolgskontrolle durch regelmäßige mikrobiologische Produktuntersuchungen
Fehlerhafte Umgebungs- und Lagerbedingungen:
Hohe Luftkeimzahlen, hohe Luftfeuchtigkeit oder die Bildung von Kondenswasser können zu mikrobiologischen Kontaminationen führen
  1. Prüfung der Luftkeimzahlen und der Belüftungsanlagen durch technische Prüfung sowie Umgebungsuntersuchungen
  2. Vermeidung hoher Luftfeuchtigkeit und Kondenswasserbildung
  3. Sachgerechte Reinigung und Desinfektion (siehe unter Abschnitt „Reinigung und Desinfektion“)
  4. Schulung der Mitarbeiter bzgl. potenzieller Fehler sowie Verbesserungsmaßnahmen
  5. Erfolgskontrolle durch Vor-Ort-Kontrollen und Nachuntersuchungen

 

Weitere Informationen und Literatur

https://www.bfr.bund.de/produktsicherheit/gesundheitliche-bewertung-von-kosmetischen-mitteln/

Fachgruppe Mikrobiologie und Betriebshygiene der DGK e.V.
Allgemeine Informationen und Publikationen
https://dgk-ev.de/mikrobiologie-und-betriebshygiene

Fachbuch „DGK-Betriebshygiene in der Kosmetik“
https://www.sofw.com/de/shop/buecher/product/386-dgk-betriebshygiene-in-der-kosmetik-2-ueberarbeitete-ausgabe-2019

Fachbuch „DGK-Konservierung kosmetischer Mittel“
https://www.sofw.com/de/shop/buecher/product/66-dgk-konservierung-kosmetischer-mittel

Fachbereich Kosmetika in der Arbeitsgruppe Lebensmittelchemie, Kosmetik, Gebrauchsgegenstände
der GÖCH
Allgemeine Informationen und Leitfäden
https://www.goech.at/arbeitsgruppen/lebensmittel%2C-kosmetik-%26-gebrauchsgegenst%C3%A4nde

ISO-Norm 17516 zu mikrobiologischen Grenzwerten
https://www.beuth.de/de/norm/din-en-iso-17516/203537217

ISO-Norm 29621 zur Einstufung mikrobiologisch risikoarmer Produkte
https://www.beuth.de/de/norm/din-en-iso-29621/263888044

Steckbrief zu Pseudomonas aeruginosa und Pseudomonaden in Kosmetika

Allgemeines
Pseudomonaden gehören zur Familie der Pseudomonaceae. Von besonderer Bedeutung für Kosmetika ist die Spezies Pseudomonas aeruginosa, da dieser ein häufiger Erreger von Wund- oder Harnweginfektionen ist. In wasserhaltigen Kosmetika kann Pseudomonas aeruginosa bei fehlender oder unzureichender Konservierung wachsen. Ein Nachweis dieser Bakterien kann auf unzureichende Hygienemaßnahmen während der Herstellung, der Abfüllung oder Lagerung hindeuten. Dabei spielt in der Regel der Hygienestatus des eingesetzten Wassers (Produktionswasser, Wasser für Reinigungszwecke sowie für Entwicklungsmuster) eine wichtige Rolle. In kosmetischen Mitteln wird gemäß ISO 17516 die Abwesenheit von Pseudomonas aeruginosa in 1g gefordert.

Eigenschaften

  • Stäbchenförmige Bakterien
  • Gram-negativ
  • Oxidase-positiv
  • Katalase-positiv

Herkunft / Auftreten

  • In unserer Umwelt weit verbreitet (z. B. Erde, Wasser, Pflanzen und Tiere).
  • Typische Eintrittswege in Kosmetika:
    • Produktionswasser (z.B. aufgrund von Biofilmen in Leitungen, Tanks, Schläuchen oder stagnierendem Wasser)
    • Wasser für Reinigungszwecke bzw. Reinigungslösungen
    • Produktionsanlagen (Schläuche, Pumpen, Rührwerke, Füllmaschinen)
    • Rohstoffe, insbesondere wasserhaltige Zutaten oder Rohstoffe pflanzlicher Herkunft

Bedeutung

  • Pseudomonaden spielen in Kosmetika mit hohem Wassergehalt eine wichtige Rolle, da er als Krankheitserreger z.B. auch als Erreger von Wundinfektionen verantwortlich ist.
  • In der Wasserhygiene spielt Pseudomonas aeruginosa als Indikatorkeim eine besonders wichtige Funktion. Er deutet im Prozess-, Trink- und Mineralwasser, aber auch in Badewasser auf Verunreinigungen und Biofilme hin. Über Badewasser kann er auch Infektionen verursachen (z.B. Wundinfektionen).
  • In medizinischen Einrichtungen und Krankenhäusern ist Pseudomonas aeruginosa ein besonders gefürchteter Infektionserreger für z. B. Wund – und Harnwegsinfektionen (Verursacher von Krankenhausinfektionen).

Vermehrungsbedingungen

  • Temperatur:
    • Optimum: +25 °C bis +37 °C
    • Minimum: +5 °C
    • Im Allgemeinen keine Vermehrung bei über +50 °C
  • pH-Wert: Wachstum bei pH 5,0 bis 8,0.
  • aw-Wert: Vermehrung bei einer Wasseraktivität von min. 0,95.
  • Sauerstoffbedarf: obligat aerob

Abtötung durch Erhitzen

  • Bei +72 °C für min. 2 Minuten Einwirkzeit (Achtung: Kerntemperatur kontrollieren).
Mögliche Ursachen für überhöhte Keimzahlen Vorschläge für Maßnahmen
Fehler bei der Reinigung und Desinfektion:
Die Folge sind Kontaminationen von Kosmetika durch z.B. mikrobiell verunreinigte Arbeitsgeräte, -gegenständen, -oberflächen, Maschinen oder mangelnder Produktionshygiene
  1. Durchführung der Reinigung und Desinfektion überprüfen:
    1. Hygieneplan mit Angaben zur Durchführung der Reinigung und Desinfektion z. B. Dosierung, Einwirkzeit, Einsatz geeigneter und sauberer Materialien und Reinigungstücher
  2. Schulung der Mitarbeiter bzgl. potenzieller Fehler sowie Verbesserungsmaßnahmen
  3. Erneute Reinigung und Desinfektion
  4. Erfolgskontrolle durch Vor-Ort-Kontrollen und Nachuntersuchungen (z. B. auch Abklatsch- und Abstrichuntersuchungen)
Einsatz von mikrobiell verunreinigtem Wasser:
Wenn zur Reinigung oder Produktion mikrobiell belastetes Wasser eingesetzt wird und sich in den weiteren Produktionsschritten keine sicheren Abtötungsschritte befinden, ist das Produkt dadurch ebenfalls potenziell mikrobiell belastet
  1. Wasseranlagen und Leitungssysteme auf korrekte Funktion und Zustand prüfen. Stagnation von Wasser in z.B. Leitungen, Anlagen, Schläuchen… unbedingt vermeiden
  2. Wasseranlage und Leitungssystem regelmäßig mikrobiologisch und technisch überprüfen (Wartungsintervalle beachten)
  3. Im Falle von Kontaminationen von Wassersystemen sofort reagieren und Maßnahmen einleiten. Nach Bedarf entsprechende Fachfirmen hinzuzuziehen
  4. Erfolgskontrolle durch regelmäßige Nachuntersuchungen
Einsatz mikrobiell belasteter Rohstoffe:
Wenn zur Produktion mikrobiell belastete Rohstoffe eingesetzt werden und sich in den weiteren Produktionsschritten keine sicheren Abtötungsschritte befinden, ist das Produkt dadurch ebenfalls potenziell mikrobiell belastet
  1. Kontrolle der Produkte am Wareneingang auf z. B. Haltbarkeit, Verpackung, Abweichungen bzw. mikrobiologische Auffälligkeiten
  2. Dies gilt ebenso für die Ware vor dem Einsatz in der Produktion. Im Verdachtsfall Rohstoffe nicht verwenden
  3. Mikrobiologische Spezifikationen überprüfen. Eventuell auch Laboruntersuchung verdächtiger Produkte veranlassen oder Ergebnisse vom Lieferanten anfordern
  4. Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen
Fehlerhaftes Konservierungssystem:
Ein unzureichendes Konservierungssystem hat eine unerwünschte Vermehrung oder unzureichende Abtötung von Mikroorganismen zur Folge
  1. Einhaltung der Rezeptur sicherstellen
  2. Eventuell Konservierungsbelastungstest (Challenge-Test) durchführen
  3. Eventuell Konservierungssystem anpassen
  4. Erfolgskontrolle durch einen erneuten Konservierungsbelastungstest
Produktionsfehler:
Fehlerhafte Prozesse, z.B. durch unzureichende Mischzeiten, Rezepturabweichungen, unzureichende Erhitzung oder Kreuzkontamination
  1. Produktionsprozesse prüfen und dokumentieren
  2. Schulung des Personals
  3. Erfolgskontrolle durch regelmäßige mikrobiologische Produktuntersuchungen
Unzureichende Trennung von „rein und unrein“:
Die Folge sind unerwünschte Verunreinigungen reiner Arbeitsbereiche, Geräte oder keimarmer Rohstoffe/Produkte mit Mikroorganismen, die von „unreinen“ Tätigkeiten oder Rohstoffen mit hoher Keimbelastung stammen (Kreuz-kontaminationen)
  1. Arbeitsorganisation im Betrieb überprüfen
    1. getrennte Arbeitsbereiche, Arbeitsgeräte und -gegenstände
    2. Trennung „reiner“ und „unreiner“ Bereiche und Tätigkeiten
  2. Schulung der Mitarbeiter bzgl. potenzieller Fehler sowie Verbesserungsmaßnahmen
  3. Erfolgskontrolle durch Vor-Ort-Kontrollen und Nachuntersuchungen

 

Weitere Informationen und Literatur

https://www.bfr.bund.de/produktsicherheit/gesundheitliche-bewertung-von-kosmetischen-mitteln/

Fachgruppe Mikrobiologie und Betriebshygiene der DGK e.V.
Allgemeine Informationen und Publikationen
https://dgk-ev.de/mikrobiologie-und-betriebshygiene

Fachbuch „DGK-Betriebshygiene in der Kosmetik“
https://www.sofw.com/de/shop/buecher/product/386-dgk-betriebshygiene-in-der-kosmetik-2-ueberarbeitete-ausgabe-2019

Fachbuch „DGK-Konservierung kosmetischer Mittel“
https://www.sofw.com/de/shop/buecher/product/66-dgk-konservierung-kosmetischer-mittel

Fachbereich Kosmetika in der Arbeitsgruppe Lebensmittelchemie, Kosmetik, Gebrauchsgegenstände
der GÖCH
Allgemeine Informationen und Leitfäden
https://www.goech.at/arbeitsgruppen/lebensmittel%2C-kosmetik-%26-gebrauchsgegenst%C3%A4nde

ISO-Norm 17516 zu mikrobiologischen Grenzwerten
https://www.beuth.de/de/norm/din-en-iso-17516/203537217

ISO-Norm 29621 zur Einstufung mikrobiologisch risikoarmer Produkte
https://www.beuth.de/de/norm/din-en-iso-29621/263888044

 

Steckbrief zu „Pluralibacter gergoviae (ehemals Enterobacter gergoviae)“ in Kosmetika 

Allgemeines
Pluralibacter gergoviae gehört zur Familie der Enterobacteriaceae. Er ist von besonderer Bedeutung für Kosmetika, da er einerseits Infektionen auslösen kann und gleichzeitig bei unzureichender Konservierung in wasserhaltigen Kosmetika überleben und wachsen kann. Ein Nachweis dieser Bakterien kann auf unzureichende Hygienemaßnahmen während der Herstellung, der Abfüllung oder Lagerung hindeuten. Dabei spielt in der Regel der Hygienestatus des eingesetzten Wassers (Produktionswasser, Wasser für Reinigungszwecke sowie für Entwicklungsmuster) eine wichtige Rolle. In kosmetischen Mitteln wird gemäß der BfR Stellungnahme Nr. 038/2020 vom 07.09.2020 die Abwesenheit von Pluralibacter gergoviae gefordert.

Eigenschaften

  • Stäbchenförmige Bakterien
  • Gram-negativ
  • Oxidase-negativ
  • Katalase-positiv

Herkunft / Auftreten

  • In unserer Umwelt weit verbreitet (z. B. Pflanzen, Erde, Wasser, Darm von Menschen und Tieren).
  • Typische Eintrittswege in Kosmetika:
    • Produktionswasser (z.B. aufgrund von Biofilmen in Leitungen, Tanks, Schläuchen oder stagnierendem Wasser)
    • Wasser für Reinigungszwecke bzw. Reinigungslösungen
    • Produktionsanlagen (Schläuche, Pumpen, Rührwerke, Füllmaschinen)
    • Rohstoffe, insbesondere wasserhaltige Zutaten oder Rohstoffe pflanzlicher Herkunft

Bedeutung

  • Pluralibacter gergoviae spielt in Kosmetika mit hohem Wassergehalt eine wichtige Rolle, da diese Bakterien insbesondere bei immungeschwächten Menschen Infektionen auslösen können.
  • Pluralibacter gergoviae kann in Kosmetikprodukten wegen des sogenannten "Phönix-Effekts" zu Problemen führen. Dieser Effekt beschreibt ein verzögertes Wachstum oder ein wieder eintretendes Wachstum des Bakteriums im Produkt, was zu unerwarteten Kontaminationen und Rückrufen führen kann.
  • In der Wasserhygiene spielt Pluralibacter gergoviae als Indikatorkeim und potenzieller Infektionserreger eine wichtige Rolle. Er deutet im Prozess-, Trink- und Mineralwasser, aber auch in Badewasser auf Verunreinigungen, Biofilme und Infektionsgefahren hin.
  • In der Vergangenheit führte die Anwesenheit von Pluralibacter gergoviae in kosmetischen Produkten in zahlreichen Fällen zu Rückrufen. Betroffene Produkte waren z.B. Babyshampoo, Babycreme, Duschgel, oder Zahnpasta.

Vermehrungsbedingungen

  • Temperatur:
    • Optimum: +25 °C bis +37 °C
    • Minimum: +5 °C
    • Im Allgemeinen keine Vermehrung bei über +50 °C
  • pH-Wert: Wachstum bei pH 5,0 bis 8,0.
  • aw-Wert: Vermehrung bei einer Wasseraktivität von min. 0,95.
  • Sauerstoffbedarf: Wachstum mit und ohne Sauerstoff (fakultativ anaerob).

Abtötung durch Erhitzen

  • Bei +72 °C für min. 2 Minuten Einwirkzeit (Achtung: Kerntemperatur kontrollieren).
Mögliche Ursachen für überhöhte Keimzahlen Vorschläge für Maßnahmen
Fehler bei der Reinigung und Desinfektion:
Die Folge sind Kontaminationen von Kosmetika durch z.B. mikrobiell verunreinigte Arbeitsgeräte, -gegenständen, -oberflächen, Maschinen oder mangelnder Produktionshygiene
  1. Durchführung der Reinigung und Desinfektion überprüfen:
    1. Hygieneplan mit Angaben zur Durchführung der Reinigung und Desinfektion z. B. Dosierung, Einwirkzeit, Einsatz geeigneter und sauberer Materialien und Reinigungstücher
  2. Schulung der Mitarbeiter bzgl. potenzieller Fehler sowie Verbesserungsmaßnahmen
  3. Erneute Reinigung und Desinfektion
  4. Erfolgskontrolle durch Vor-Ort-Kontrollen und Nachuntersuchungen (z. B. auch Abklatsch- und Abstrichuntersuchungen)
Einsatz von mikrobiell verunreinigtem Wasser:
Wenn zur Reinigung oder Produktion mikrobiell belastetes Wasser eingesetzt wird und sich in den weiteren Produktionsschritten keine sicheren Abtötungsschritte befinden, ist das Produkt dadurch ebenfalls potenziell mikrobiell belastet
  1. Wasseranlagen und Leitungssysteme auf korrekte Funktion und Zustand prüfen. Stagnation von Wasser in z.B. Leitungen, Anlagen, Schläuchen… unbedingt vermeiden
  2. Wasseranlage und Leitungssystem regelmäßig mikrobiologisch und technisch überprüfen (Wartungsintervalle beachten)
  3. Im Falle von Kontaminationen von Wassersystemen sofort reagieren und Maßnahmen einleiten. Nach Bedarf entsprechende Fachfirmen hinzuzuziehen
  4. Erfolgskontrolle durch regelmäßige Nachuntersuchungen
Einsatz mikrobiell belasteter Rohstoffe:
Wenn zur Produktion mikrobiell belastete Rohstoffe eingesetzt werden und sich in den weiteren Produktionsschritten keine sicheren Abtötungsschritte befinden, ist das Produkt dadurch ebenfalls potenziell mikrobiell belastet
  1. Kontrolle der Produkte am Wareneingang auf z. B. Haltbarkeit, Verpackung, Abweichungen bzw. mikrobiologische Auffälligkeiten
  2. Dies gilt ebenso für die Ware vor dem Einsatz in der Produktion. Im Verdachtsfall Rohstoffe nicht verwenden
  3. Mikrobiologische Spezifikationen überprüfen. Eventuell auch Laboruntersuchung verdächtiger Produkte veranlassen oder Ergebnisse vom Lieferanten anfordern
  4. Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen
Fehlerhaftes Konservierungssystem:
Ein unzureichendes Konservierungssystem hat eine unerwünschte Vermehrung oder unzureichende Abtötung von Mikroorganismen zur Folge
  1. Einhaltung der Rezeptur sicherstellen
  2. Eventuell Konservierungsbelastungstest (Challenge-Test) durchführen
  3. Eventuell Konservierungssystem anpassen
  4. Erfolgskontrolle durch einen erneuten Konservierungsbelastungstest
Produktionsfehler:
Fehlerhafte Prozesse, z.B. durch unzureichende Mischzeiten, Rezepturabweichungen, unzureichende Erhitzung oder Kreuzkontamination
  1. Produktionsprozesse prüfen und dokumentieren
  2. Schulung des Personals
  3. Erfolgskontrolle durch regelmäßige mikrobiologische Produktuntersuchungen
Unzureichende Trennung von „rein und unrein“:
Die Folge sind unerwünschte Verunreinigungen reiner Arbeitsbereiche, Geräte oder keimarmer Rohstoffe/Produkte mit Mikroorganismen, die von „unreinen“ Tätigkeiten oder Rohstoffen mit hoher Keimbelastung stammen (Kreuz-kontaminationen)
  1. Arbeitsorganisation im Betrieb überprüfen
    1. getrennte Arbeitsbereiche, Arbeitsgeräte und -gegenstände
    2. Trennung „reiner“ und „unreiner“ Bereiche und Tätigkeiten
  2. Schulung der Mitarbeiter bzgl. potenzieller Fehler sowie Verbesserungsmaßnahmen
  3. Erfolgskontrolle durch Vor-Ort-Kontrollen und Nachuntersuchungen

 

Weitere Informationen und Literatur

https://www.bfr.bund.de/cm/343/hautcremes-make-up-und-shampoos-sollten-frei-von-pluralibacter-gergoviae-sein.pdf

http://www.bfr.bund.de/de/a-z_index/enterobacter_gergoviae-31552.html

https://www.bfr.bund.de/produktsicherheit/gesundheitliche-bewertung-von-kosmetischen-mitteln/

Fachgruppe Mikrobiologie und Betriebshygiene der DGK e.V.
Allgemeine Informationen und Publikationen
https://dgk-ev.de/mikrobiologie-und-betriebshygiene

Fachbuch „DGK-Betriebshygiene in der Kosmetik“
https://www.sofw.com/de/shop/buecher/product/386-dgk-betriebshygiene-in-der-kosmetik-2-ueberarbeitete-ausgabe-2019

Fachbuch „DGK-Konservierung kosmetischer Mittel“
https://www.sofw.com/de/shop/buecher/product/66-dgk-konservierung-kosmetischer-mittel

Fachbereich Kosmetika in der Arbeitsgruppe Lebensmittelchemie, Kosmetik, Gebrauchsgegenstände
der GÖCH
Allgemeine Informationen und Leitfäden
https://www.goech.at/arbeitsgruppen/lebensmittel%2C-kosmetik-%26-gebrauchsgegenst%C3%A4nde

ISO-Norm 17516 zu mikrobiologischen Grenzwerten
https://www.beuth.de/de/norm/din-en-iso-17516/203537217

ISO-Norm 29621 zur Einstufung mikrobiologisch risikoarmer Produkte
https://www.beuth.de/de/norm/din-en-iso-29621/263888044

Steckbrief zu Milchsäurebakterien in Kosmetika

Allgemeines
Milchsäurebakterien gehören überwiegend zur Familie der Lactobacillaceae (z. B. Lactobacillus, Leuconostoc, Pediococcus). Sie sind in der Lage, Zucker und andere Kohlenhydrate zu Milchsäure abzubauen. In Kosmetika spielen sie vor allem eine Rolle beim Verderb wasser- und zuckerhaltiger Produkte, da sie zu sensorischen Veränderungen führen können.

Eigenschaften

  • Stäbchenförmige oder kokkenförmige Bakterien
  • Gram-positiv
  • Fakultativ anaerob
  • Fermentativer Stoffwechsel → Bildung von Milchsäure (homo- oder heterofermentativ)
  • Tolerieren niedrige pH-Werte (Wachstum auch im sauren Milieu möglich)

Herkunft / Auftreten

  • Kommen in der Umwelt und z.B. Pflanzen vor
  • Typische Eintrittswege in Kosmetika:
  • kontaminierte pflanzliche Rohstoffe (Früchte, Kräuter, Extrakte, Blütenwasser)
  • Produktionsumgebung
  • Schwachstellen in der Betriebshygiene: Ansiedlung in Produktresten oder Ablagerungen in Leitungen und Tanks (Biofilm-Bildung)

Bedeutung

  • In Kosmetika führen Milchsäurebakterien primär zu sensorischen Veränderungen (Geruch, Geschmack, Ansäuerung).
  • In der Kosmetikproduktion können sie ein Hinweis auf hygienische Schwachstellen sein, z. B. mangelnde Reinigung von Leitungen oder kontaminierte Rohstoffe.
  • Nachweis erfordert gezielte Prüfverfahren, da sie auf Standardnährmedien (z. B. CASO) schlecht wachsen. Milchsäurebakterien werden häufig sichtbarer auf Hefe- und Schimmelpilznährmedien, da hier das Nähmedium einen niedrigeren pH-Wert aufweist und die Bebrütungsdauer länger ist. Bei einem Verdacht auf Milchsäurebakterien bietet sich eine gezielte Untersuchung an mit spezialisierten Nährmedien. Bitte sprechen Sie in einem solchen Fall gezielt unsere Kundenberater darauf an.

Vermehrungsbedingungen

  • Temperatur:
    • Optimum: +25 °C bis +30 °C
    • Minimum: +5 °C
    • Im Allgemeinen keine Vermehrung bei über +50 °C
  • pH-Wert: Wachstum auch im sauren Milieu
  • aw-Wert: Im Allgemeinen Vermehrung bei einer Wasseraktivität von min. 0,95
  • Sauerstoffbedarf: fakultativ anaerob

Abtötung durch Erhitzen

  • Bei +72 °C für min. 2 Minuten Einwirkzeit (Achtung: Kerntemperatur kontrollieren)
Mögliche Ursachen für überhöhte Keimzahlen Vorschläge für Maßnahmen
Fehler bei der Reinigung und Desinfektion:
Die Folge sind Kontaminationen von Kosmetika durch z.B. mikrobiell verunreinigte Arbeitsgeräte, -gegenständen, -oberflächen, Maschinen oder mangelnder Produktionshygiene
  1. Durchführung der Reinigung und Desinfektion überprüfen:
    1. Hygieneplan mit Angaben zur Durchführung der Reinigung und Desinfektion z. B. Dosierung, Einwirkzeit, Einsatz geeigneter und sauberer Materialien und Reinigungstücher
  2. Schulung der Mitarbeiter bzgl. potenzieller Fehler sowie Verbesserungsmaßnahmen
  3. Erneute Reinigung und Desinfektion
  4. Erfolgskontrolle durch Vor-Ort-Kontrollen und Nachuntersuchungen (z. B. auch Abklatsch- und Abstrichuntersuchungen)
Einsatz mikrobiell belasteter Rohstoffe:
Wenn zur Produktion mikrobiell belastete Rohstoffe eingesetzt werden und sich in den weiteren Produktionsschritten keine sicheren Abtötungsschritte befinden, ist das Produkt dadurch ebenfalls potenziell mikrobiell belastet
  1. Kontrolle der Produkte am Wareneingang auf z. B. Haltbarkeit, Verpackung, Abweichungen bzw. mikrobiologische Auffälligkeiten
  2. Dies gilt ebenso für die Ware vor dem Einsatz in der Produktion. Im Verdachtsfall Rohstoffe nicht verwenden
  3. Mikrobiologische Spezifikationen überprüfen. Eventuell auch Laboruntersuchung verdächtiger Produkte veranlassen oder Ergebnisse vom Lieferanten anfordern
  4. Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen
Fehlerhaftes Konservierungssystem:
Ein unzureichendes Konservierungssystem hat eine unerwünschte Vermehrung oder unzureichende Abtötung von Mikroorganismen zur Folge
  1. Einhaltung der Rezeptur sicherstellen
  2. Eventuell Konservierungsbelastungstest (Challenge-Test) durchführen
  3. Eventuell Konservierungssystem anpassen
  4. Erfolgskontrolle durch einen erneuten Konservierungsbelastungstest
Produktionsfehler:
Fehlerhafte Prozesse, z.B. durch unzureichende Mischzeiten, Rezepturabweichungen, unzureichende Erhitzung oder Kreuzkontamination
  1. Produktionsprozesse prüfen und dokumentieren
  2. Schulung des Personals
  3. Erfolgskontrolle durch regelmäßige mikrobiologische Produktuntersuchungen
Unzureichende Trennung von „rein und unrein“:
Die Folge sind unerwünschte Verunreinigungen reiner Arbeitsbereiche, Geräte oder keimarmer Rohstoffe/Produkte mit Mikroorganismen, die von „unreinen“ Tätigkeiten oder Rohstoffen mit hoher Keimbelastung stammen (Kreuz-kontaminationen)
  1. Arbeitsorganisation im Betrieb überprüfen
    1. getrennte Arbeitsbereiche, Arbeitsgeräte und -gegenstände
    2. Trennung „reiner“ und „unreiner“ Bereiche und Tätigkeiten
  2. Schulung der Mitarbeiter bzgl. potenzieller Fehler sowie Verbesserungsmaßnahmen
  3. Erfolgskontrolle durch Vor-Ort-Kontrollen und Nachuntersuchungen

 

Weitere Informationen und Literatur

https://www.bfr.bund.de/produktsicherheit/gesundheitliche-bewertung-von-kosmetischen-mitteln/

Fachgruppe Mikrobiologie und Betriebshygiene der DGK e.V.
Allgemeine Informationen und Publikationen
https://dgk-ev.de/mikrobiologie-und-betriebshygiene

Fachbuch „DGK-Betriebshygiene in der Kosmetik“
https://www.sofw.com/de/shop/buecher/product/386-dgk-betriebshygiene-in-der-kosmetik-2-ueberarbeitete-ausgabe-2019

Fachbuch „DGK-Konservierung kosmetischer Mittel“
https://www.sofw.com/de/shop/buecher/product/66-dgk-konservierung-kosmetischer-mittel

Fachbereich Kosmetika in der Arbeitsgruppe Lebensmittelchemie, Kosmetik, Gebrauchsgegenstände
der GÖCH
Allgemeine Informationen und Leitfäden
https://www.goech.at/arbeitsgruppen/lebensmittel%2C-kosmetik-%26-gebrauchsgegenst%C3%A4nde

ISO-Norm 17516 zu mikrobiologischen Grenzwerten
https://www.beuth.de/de/norm/din-en-iso-17516/203537217

ISO-Norm 29621 zur Einstufung mikrobiologisch risikoarmer Produkte
https://www.beuth.de/de/norm/din-en-iso-29621/263888044

Steckbrief zu Hefen in Kosmetika

Allgemeines
Hefen sind einzellige Pilze, die überwiegend der taxonomischen Gruppe der Schlauchpilze (Ascomycota) zugeordnet werden. In kosmetischen Mitteln werden sie nur in niedriger Anzahl toleriert. Ein Nachweis kann z.B. auf unzureichende Hygienemaßnahmen während der Herstellung, der Abfüllung oder Lagerung hindeuten. Die ISO 17516 legt auch Grenzwerte fest für die Gesamtanzahl aerober Mikroorganismen. Für Kosmetika im Allgemeinen liegt der Grenzwert bei 1000KBE/g. Für Kosmetika für Kinder unter 3 Jahren sowie bei Anwendung in sensiblen Bereichen wie Augen, Mund, oder im Intimbereich liegt der Grenzwert für Hefen bei 100 KBE/g.

Für die Hefe Candida albicans wird gemäß ISO 17516 in kosmetischen Mitteln die Abwesenheit in 1g gefordert.

→ Informationen zu einer weiteren taxonomischen Gruppe aus dem Reich der Pilze: siehe Steckbrief zu Schimmelpilzen

Herkunft / Auftreten

  • Hefen sind in unserer Umwelt weit verbreitet (z. B. Erde, Pflanzen, Luft, Wasser, Menschen, …)
  • Sie können z.B. über Rohstoffe, Verpackungsmaterialien, Produktionsumgebung oder Personal in kosmetische Produkte gelangen.
  • Vor allem in wasserhaltigen und konservierungsschwachen Produkten besteht ein erhöhtes Risiko für das Wachstum von Hefen.

Bedeutung

  • Hefen können Indikatororganismen für Hygienemängel bei der Herstellung oder eine unzureichende Konservierung sein. In höheren Keimzahlen können sie zum vorzeitigen Verderb führen.
  • Ein Nachweis deutet auf eine potenzielle Beeinträchtigung der mikrobiologischen Qualität des kosmetischen Mittels hin.
  • Hefen können auch noch unter Sauerstoffausschluss wachsen und dabei Ethanol bilden. Im Gegensatz zu den meisten Bakterien haben Hefen die besondere Eigenschaft ebenfalls bei niedrigen Wassergehalten und/oder niedrigen pH-Werten zu wachsen.
  • Eine besondere Bedeutung unter den Hefen hat Candida albicans in Kosmetika. Da diese Hefe auch Infektionen im Intimbereich hervorrufen kann, ist sie in Kosmetika unerwünscht.

Vermehrungsbedingungen

  • Temperatur:
    • Optimum: +25 °C bis +35 °C
    • Minimum: 0 °C
    • Im Allgemeinen keine Vermehrung bei über +50 °C
  • pH-Wert: Wachstum bei pH 2,0 bis 8,5 (für viele liegt das Optimum bei pH 4,0 bis 6,0).
  • aw-Wert: Laut ISO-Norm 29621 gelten Kosmetika ab einem aw-Wert von weniger als 0,75 als risikoarm, da sich Mikroorganismen in der Regel bei dieser Wasseraktivität nicht mehr vermehren können.
  • Einige Hefen haben osmophile bzw. osmotolerante oder säuretolerante Eigenschaften. Das bedeutet diese Vertreter können auch noch bei niedrigem Wassergehalt und/oder pH-Wert wachsen (z.B. Zygosaccharomyces rouxii bis zu einem aw-Wert von 0,62)
  • Sauerstoffbedarf: aerobe Atmung bzw. anaerobe Gärung (fakultativ anaerob).

Abtötung durch Erhitzen

  • Bei +72 °C für min. 2 Minuten Einwirkzeit werden die meisten Hefen abgetötet (Achtung: Kerntemperatur kontrollieren).
  • Hefesporen werden sicher ab einer Kerntemperatur von +80 °C abgetötet.
Mögliche Ursachen für überhöhte Keimzahlen Vorschläge für Maßnahmen
Fehler bei der Reinigung und Desinfektion sowie bei der Lufthygiene:
Die Folge sind Kontaminationen von Kosmetika durch z.B. mikrobiell verunreinigte Arbeitsgeräte, -gegenständen, -oberflächen, Maschinen oder mangelnder Produktionshygiene
Hinweis zur Lufthygiene: Problematisch kann die Anzahl der Hefen in der Luft zum Ende der Erntezeit in der Umgebung von Wein- und Obstanbaugebieten sein
  1. Durchführung der Reinigung und Desinfektion überprüfen:
    1. Hygieneplan mit Angaben zur Durchführung der Reinigung und Desinfektion z. B. Dosierung, Einwirkzeit, Einsatz geeigneter und sauberer Materialien und Reinigungstücher
  2. Schulung der Mitarbeiter bzgl. potenzieller Fehler sowie Verbesserungsmaßnahmen
  3. Erneute Reinigung und Desinfektion
  4. Erfolgskontrolle durch Vor-Ort-Kontrollen und Nachuntersuchungen (z. B. auch Abklatsch- und Abstrichuntersuchungen)
Einsatz von mikrobiell verunreinigtem Wasser:
Wenn zur Reinigung oder Produktion mikrobiell belastetes Wasser eingesetzt wird und sich in den weiteren Produktionsschritten keine sicheren Abtötungsschritte befinden, ist das Produkt dadurch ebenfalls potenziell mikrobiell belastet
  1. Wasseranlagen und Leitungssysteme auf korrekte Funktion und Zustand prüfen. Stagnation von Wasser in z.B. Leitungen, Anlagen, Schläuchen… unbedingt vermeiden
  2. Wasseranlage und Leitungssystem regelmäßig mikrobiologisch und technisch überprüfen (Wartungsintervalle beachten)
  3. Im Falle von Kontaminationen von Wassersystemen sofort reagieren und Maßnahmen einleiten. Nach Bedarf entsprechende Fachfirmen hinzuzuziehen
  4. Erfolgskontrolle durch regelmäßige Nachuntersuchungen
Einsatz mikrobiell belasteter Rohstoffe:
Wenn zur Produktion mikrobiell belastete Rohstoffe eingesetzt werden und sich in den weiteren Produktionsschritten keine sicheren Abtötungsschritte befinden, ist das Produkt dadurch ebenfalls potenziell mikrobiell belastet
  1. Kontrolle der Produkte am Wareneingang auf z. B. Haltbarkeit, Verpackung, Abweichungen bzw. mikrobiologische Auffälligkeiten
  2. Dies gilt ebenso für die Ware vor dem Einsatz in der Produktion. Im Verdachtsfall Rohstoffe nicht verwenden
  3. Mikrobiologische Spezifikationen überprüfen. Eventuell auch Laboruntersuchung verdächtiger Produkte veranlassen oder Ergebnisse vom Lieferanten anfordern
  4. Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen
Fehlerhaftes Konservierungssystem:
Ein unzureichendes Konservierungssystem hat eine unerwünschte Vermehrung oder unzureichende Abtötung von Mikroorganismen zur Folge
  1. Einhaltung der Rezeptur sicherstellen
  2. Eventuell Konservierungsbelastungstest (Challenge-Test) durchführen
  3. Eventuell Konservierungssystem anpassen
  4. Erfolgskontrolle durch einen erneuten Konservierungsbelastungstest
Produktionsfehler:
Fehlerhafte Prozesse, z.B. durch unzureichende Mischzeiten, Rezepturabweichungen, unzureichende Erhitzung oder Kreuzkontamination
  1. Produktionsprozesse prüfen und dokumentieren
  2. Schulung des Personals
  3. Erfolgskontrolle durch regelmäßige mikrobiologische Produktuntersuchungen
Unzureichende Trennung von „rein und unrein“:
Die Folge sind unerwünschte Verunreinigungen reiner Arbeitsbereiche, Geräte oder keimarmer Rohstoffe/Produkte mit Mikroorganismen, die von „unreinen“ Tätigkeiten oder Rohstoffen mit hoher Keimbelastung stammen (Kreuz-kontaminationen)
  1. Arbeitsorganisation im Betrieb überprüfen
    1. getrennte Arbeitsbereiche, Arbeitsgeräte und -gegenstände
    2. Trennung „reiner“ und „unreiner“ Bereiche und Tätigkeiten
  2. Schulung der Mitarbeiter bzgl. potenzieller Fehler sowie Verbesserungsmaßnahmen
  3. Erfolgskontrolle durch Vor-Ort-Kontrollen und Nachuntersuchungen

 

Weitere Informationen und Literatur

https://www.bfr.bund.de/produktsicherheit/gesundheitliche-bewertung-von-kosmetischen-mitteln/

Fachgruppe Mikrobiologie und Betriebshygiene der DGK e.V.
Allgemeine Informationen und Publikationen
https://dgk-ev.de/mikrobiologie-und-betriebshygiene

Fachbuch „DGK-Betriebshygiene in der Kosmetik“
https://www.sofw.com/de/shop/buecher/product/386-dgk-betriebshygiene-in-der-kosmetik-2-ueberarbeitete-ausgabe-2019

Fachbuch „DGK-Konservierung kosmetischer Mittel“
https://www.sofw.com/de/shop/buecher/product/66-dgk-konservierung-kosmetischer-mittel

Fachbereich Kosmetika in der Arbeitsgruppe Lebensmittelchemie, Kosmetik, Gebrauchsgegenstände
der GÖCH
Allgemeine Informationen und Leitfäden
https://www.goech.at/arbeitsgruppen/lebensmittel%2C-kosmetik-%26-gebrauchsgegenst%C3%A4nde

ISO-Norm 17516 zu mikrobiologischen Grenzwerten
https://www.beuth.de/de/norm/din-en-iso-17516/203537217

ISO-Norm 29621 zur Einstufung mikrobiologisch risikoarmer Produkte
https://www.beuth.de/de/norm/din-en-iso-29621/263888044

 

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