Steckbrief zu „Burkholderia sp.“ in Kosmetika
|
Allgemeines Bakterien, die zum Burkholderia cepacia Komplex gehören, spielen in Kosmetika eine wichtige Rolle. Sie können insbesondere in wasserhaltigen Produkten bei unzureichender Konservierung wachsen. Ein Nachweis dieser Bakterien kann auf mangelnde Hygiene während der Herstellung, der Abfüllung oder Lagerung hindeuten. Dabei spielt in der Regel der Hygienestatus des eingesetzten Wassers (Produktionswasser, Wasser für Reinigungszwecke sowie für Entwicklungsmuster) eine wichtige Rolle. In kosmetischen Mitteln wird gemäß der DGK-Stellungnahme vom 01.08.2020 die Abwesenheit von Burkholderia cepacia und Burkholderia cenocepacia gefordert.
Eigenschaften
- Stäbchenförmige Bakterien
- Gram-negativ
- Oxidase-positiv
- Katalase-positiv
|
|
Herkunft / Auftreten
- In unserer Umwelt weit verbreitet (bevorzugt im Wasser)
- Typische Eintrittswege in Kosmetika:
- Produktionswasser (z.B. aufgrund von Biofilmen in Leitungen, Tanks, Schläuchen oder stagnierendem Wasser)
- Wasser für Reinigungszwecke bzw. Reinigungslösungen
- Produktionsanlagen (Schläuche, Pumpen, Rührwerke, Füllmaschinen)
- Rohstoffe, insbesondere wasserhaltige Zutaten oder Rohstoffe pflanzlicher Herkunft
|
|
Bedeutung
- Burkholderia Arten werden in Wasser gefunden. Sie sind anspruchslos, widerstandsfähig und können in Aqua purificata; Mundspül- und Desinfektionsmittellösungen welche quaternäre Ammoniumverbindungen oder Chlorhexidin enthalten, potenziell überleben und sich sogar vermehren.
- Besonders in wasserreichen Kosmetika spielen Burkholderia sp. eine wichtige Rolle, da diese Bakterien als Krankheitserreger z.B. auch bei Wundinfektionen beteiligt sind.
- In der Wasserhygiene spielt Burkholderia als Indikatorkeim eine wichtige Funktion. Er deutet im Prozess-, Trink- und Mineralwasser, aber auch in Badewasser auf Verunreinigungen und Biofilme hin.
- Burkholderia kann in Kosmetikprodukten wegen des sogenannten "Phönix-Effekts" zu Problemen führen. Dieser Effekt beschreibt ein verzögertes Wachstum oder ein wieder eintretendes Wachstum des Bakteriums im Produkt, was zu unerwarteten Kontaminationen und Rückrufen führen kann.
- In Kosmetika gab es in der Vergangenheit wiederholt Rückrufe aufgrund von Kontaminationen mit Vertretern des Burkholderia cepacia Komplex. Betroffene Produkte waren z.B. Babyshampoo, Babycreme, Duschgel, Zahnpasta.
|
|
Vermehrungsbedingungen
- Temperatur:
- Optimum: +25 °C bis +37 °C
- Minimum: +5 °C
- Im Allgemeinen keine Vermehrung bei über +50 °C
- pH-Wert: Wachstum bei pH 5,0 bis 8,0
- aw-Wert: Vermehrung bei einer Wasseraktivität von min. 0,95.
- Sauerstoffbedarf: Wachstum mit und ohne Sauerstoff (fakultativ anaero.
|
|
Abtötung durch Erhitzen
- Bei +72 °C für min. 2 Minuten Einwirkzeit (Achtung: Kerntemperatur kontrollieren).
|
| Mögliche Ursachen für überhöhte Keimzahlen |
Vorschläge für Maßnahmen |
Fehler bei der Reinigung und Desinfektion: Die Folge sind Kontaminationen von Kosmetika durch z.B. mikrobiell verunreinigte Arbeitsgeräte, -gegenständen, -oberflächen, Maschinen oder mangelnder Produktionshygiene |
- Durchführung der Reinigung und Desinfektion überprüfen:
- Hygieneplan mit Angaben zur Durchführung der Reinigung und Desinfektion z. B. Dosierung, Einwirkzeit, Einsatz geeigneter und sauberer Materialien und Reinigungstücher
- Schulung der Mitarbeiter bzgl. potenzieller Fehler sowie Verbesserungsmaßnahmen
- Erneute Reinigung und Desinfektion
- Erfolgskontrolle durch
- Vor-Ort-Kontrollen und Nachuntersuchungen (z. B. auch Abklatsch- und Abstrichuntersuchungen)
|
Einsatz von mikrobiell verunreinigtem Wasser: Wenn zur Reinigung oder Produktion mikrobiell belastetes Wasser eingesetzt wird und sich in den weiteren Produktionsschritten keine sicheren Abtötungsschritte befinden, ist das Produkt dadurch ebenfalls potenziell mikrobiell belastet |
- Wasseranlagen und Leitungssysteme auf korrekte Funktion und Zustand prüfen. Stagnation von Wasser in z.B. Leitungen, Anlagen, Schläuchen… unbedingt vermeiden
- Wasseranlage und Leitungssystem regelmäßig mikrobiologisch und technisch überprüfen (Wartungsintervalle beachten)
- Im Falle von Kontaminationen von Wassersystemen sofort reagieren und Maßnahmen einleiten. Nach Bedarf entsprechende Fachfirmen hinzuzuziehen
- Erfolgskontrolle durch regelmäßige Nachuntersuchungen
|
Einsatz mikrobiell belasteter Rohstoffe: Wenn zur Produktion mikrobiell belastete Rohstoffe eingesetzt werden und sich in den weiteren Produktionsschritten keine sicheren Abtötungsschritte befinden, ist das Produkt dadurch ebenfalls potenziell mikrobiell belastet |
- Kontrolle der Produkte am Wareneingang auf z. B. Haltbarkeit, Verpackung, Abweichungen bzw. mikrobiologische Auffälligkeiten
- Dies gilt ebenso für die Ware vor dem Einsatz in der Produktion. Im Verdachtsfall Rohstoffe nicht verwenden
- Mikrobiologische Spezifikationen überprüfen. Eventuell auch Laboruntersuchung verdächtiger Produkte veranlassen oder Ergebnisse vom Lieferanten anfordern
- Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen
|
Fehlerhaftes Konservierungssystem: Ein unzureichendes Konservierungssystem hat eine unerwünschte Vermehrung oder unzureichende Abtötung von Mikroorganismen zur Folge |
- Einhaltung der Rezeptur sicherstellen
- Eventuell Konservierungsbelastungstest (Challenge-Test) durchführen
- Eventuell Konservierungssystem anpassen
- Erfolgskontrolle durch einen erneuten Konservierungsbelastungstest
|
Produktionsfehler: Fehlerhafte Prozesse, z.B. durch unzureichende Mischzeiten, Rezepturabweichungen, unzureichende Erhitzung oder Kreuzkontamination |
- Produktionsprozesse prüfen und dokumentieren
- Schulung des Personals
- Erfolgskontrolle durch regelmäßige mikrobiologische Produktuntersuchungen
|
Unzureichende Trennung von „rein und unrein“: Die Folge sind unerwünschte Verunreinigungen reiner Arbeitsbereiche, Geräte oder keimarmer Rohstoffe/Produkte mit Mikroorganismen, die von „unreinen“ Tätigkeiten oder Rohstoffen mit hoher Keimbelastung stammen (Kreuz-kontaminationen) |
- Arbeitsorganisation im Betrieb überprüfen
- getrennte Arbeitsbereiche, Arbeitsgeräte und -gegenstände
- Trennung „reiner“ und „unreiner“ Bereiche und Tätigkeiten
- Schulung der Mitarbeiter bzgl. potenzieller Fehler sowie Verbesserungsmaßnahmen
- Erfolgskontrolle durch Vor-Ort-Kontrollen und Nachuntersuchungen
|
Weitere Informationen und Literatur
https://www.bfr.bund.de/produktsicherheit/gesundheitliche-bewertung-von-kosmetischen-mitteln/
DKG Stellungnahme vom 01.08.2020: https://www.dgk-ev.de/wp-content/uploads/2020/08/Gesundheitliche-Risiken-final-korr_Mai-2020-1.pdf
Fachgruppe Mikrobiologie und Betriebshygiene der DGK e.V.
Allgemeine Informationen und Publikationen
https://dgk-ev.de/mikrobiologie-und-betriebshygiene
Fachbuch „DGK-Betriebshygiene in der Kosmetik“
https://www.sofw.com/de/shop/buecher/product/386-dgk-betriebshygiene-in-der-kosmetik-2-ueberarbeitete-ausgabe-2019
Fachbereich Kosmetika in der Arbeitsgruppe Lebensmittelchemie, Kosmetik, Gebrauchsgegenstände
der GÖCH
Allgemeine Informationen und Leitfäden
https://www.goech.at/arbeitsgruppen/lebensmittel%2C-kosmetik-%26-gebrauchsgegenst%C3%A4nde
ISO-Norm 17516 zu mikrobiologischen Grenzwerten
https://www.beuth.de/de/norm/din-en-iso-17516/203537217
ISO-Norm 29621 zur Einstufung mikrobiologisch risikoarmer Produkte
https://www.beuth.de/de/norm/din-en-iso-29621/263888044