Steckbrief zu Clostridium perfringens im Trinkwasser

Steckbrief zu Clostridium perfringens im Trinkwasser

Steckbrief zu Clostridium perfringens im Trinkwasser

Zurück zur Übersicht

Steckbrief zu Clostridium perfringens im Trinkwasser

Allgemeines
Clostridium perfringens gehört zur Gattung der Clostridien, die sporenbildenden Bakterien sind. Die Spore als Dauerform ist gegenüber Desinfektionsmitteln sehr resistent und kann lange Zeitspannen überdauern. Aus der Spore können sich wieder aktive Bakterien bilden. Clostridien sind in der Umwelt weit verbreitet.
In der Trinkwasserverordnung wird die Abwesenheit von Clostridium perfringens (0 KBE/100 ml) gefordert. Bei einem positiven Ergebnis von Clostridium perfringens sind sofort geeignete Gegenmaßnahmen einzuleiten. Ein positiver befund von Clostridium perfringens in einer Trinkwasserprobe nach Trinkwasserverordnung muss dem zuständigen Amt gemeldet werden.

Eigenschaften

  • Stäbchenförmige Bakterien
  • Gram-positiv
  • Oxidase-negativ
  • Katalase-negativ
  • Sporenbildner
  • Toxinbildner

Herkunft / Auftreten

  • Diese Bakterien und deren Sporen sind in unserer Umwelt weit verbreitet (z. B. Erde, Staub, Wasser, Darmtrakt von Tieren und Menschen)

Bedeutung

  • Indikator für eine Kontamination mit z.B. Oberflächenwasser oder Erde
  • Bei Oraler Aufnahme können pathogene C. perfringens-Stämme Enterotoxine bilden und diese während der Sporulation im Darm abgeben

Krankheitsbild

  • Minimale Intoxikationsdosis: in der Regel min. 105 KbE/g (bei Enterotoxinbildung)
  • Inkubationszeit: 8 bis 20 Stunden
  • Erkrankungsdauer: meist 10 bis 24 Stunden
  • Symptome bei Intoxikationen durch Enterotoxine: Diarrhöe mit Unterleibsschmerzen
  • Selten Komplikationen

Vermehrungsbedingungen und Toxinproduktion

  • Temperatur:
    • Optimum: +43 °C bis +47 °C
    • Minimum: +15 °C (abhängig vom Clostridien-Stamm, Ausnahmen sogar bis +4 °C)
    • Im Allgemeinen keine Vermehrung über +58 °C
  • pH-Wert: Wachstum bei pH 5,0 bis 8,0
  • aw-Wert: Vermehrung bei einer Wasseraktivität von min. 0,94
  • Sauerstoffbedarf: (strikt) anaerob (Sporen überleben auch in Abwesenheit von Sauerstoff)
  • Toxinproduktion: abhängig vom Clostridien-Stamm, in der Regel unter optimalen Vermehrungsbedingungen

Abtötung durch Erhitzen

  • Bei +72 °C für min. 2 Minuten Einwirkzeit werden vegetative Bakterien abgetötet (Achtung: Kerntemperatur kontrollieren) → Sporen sind jedoch meist hitzestabil
  • Hitzeresistente Sporen überleben sogar Kochprozesse (Abtötung bei +100 °C für min. 60 Minuten)
  • Das C. perfringens-Enterotoxin, das erst im Darm freigesetzt wird, ist relativ hitzeempfindlich. Inaktivierung bei +60 °C in 5 Minuten
Mögliche Ursachen für überhöhte Keimzahlen Vorschläge für Maßnahmen
Bei Trinkwasser oder Prozesswasser am Wasserauslauf
Wasserauslauf bzw. Armatur verunreinigt (auch Perlator berücksichtigen)
  1. Falls Perlator vorhanden: ausbauen und desinfizieren. Je nach Zustand ersetzen
  2. Verunreinigungen und/oder Biofilme entfernen
  3. Wenn möglich letztes Stück vom Wasserablauf nach der Reinigung zusätzlich abflammen
  4. Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen
Bei Trinkwasser oder Prozesswasser (Ursache im Leitungsnetz)
Leitungsnetz (Hausinstallation) verunreinigt, stehendes Wasser im System oder enthält einen Biofilm
  1. Eventuell Stufenuntersuchungen durchführen, um die Stelle der Kontamination im Leitungsnetz besser zu identifizieren
  2. Fachfirma oder Haustechnik mit Ursachenfindung beauftragen
  3. Desinfektion durchführen
  4. Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen
Bei Trinkwasser oder Prozesswasser aus Leitungsnetz (Ursache sind eingebaute Teile/Anlagen)
In der Hausinstallation befinden sind verunreinigte Filter und/oder Anlagen zur Wasseraufbereitung (z.B. Wasserenthärtungs- und Aufhärtungsanlagen, Filter-, Destillations-, UV-Systeme)
  1. Ausführliche visuelle Kontrolle der Aufbereitungsanlage
  2. Prüfung der Wartungsintervalle, eventuell Filterwechsel
  3. Fachfirma oder Haustechnik mit Prüfung/Wartung beauftragen
  4. Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen

Bei Trinkwasser aus Eigenwasserversorgungsanlagen, d.h. aus eigenen Brunnen und Quellen

Verunreinigung durch Eingriff/Reparatur in der Quellfassung/Brunnenstube

Verunreinigung nach Starkregen (Verunreinigung durch Oberflächenwasser)

Verunreinigung durch Baumängel in der Quellfassung/Brunnenstube (Undichtigkeit, altersbedingte Abnutzungen)

  1. Ausführliche visuelle Kontrolle der Quellfassung/Brunnenstube und Umgebung
  2. Regelmäßige Kontrolle der Eigenwasserversorgungsanlage, besonders nach möglichen wetterbedingten Einflüssen (Starkregen, lange Trockenheit)
  3. Turnusmäßig die vom Gesundheitsamt geforderte Kontrolle durchführen
  4. Fachfirma in sinnvollen Abständen mit Reinigung und Desinfektion der Quellfassung/Brunnenstube beauftragen
  5. Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen

Bei Scherbeneis, Crushed Eis und Eiswürfeln
Hygienemängel:

in der Maschine inkl. Arbeitsgegenstände
oder

im Verbindungsschlauch (Zulaufwasser)
oder

im Leitungsnetz (Hausinstallation)

  1. Ausführliche visuelle Kontrolle der Maschinen und Verbindungsschläuche. Dazu ist es in der Regel auch erforderlich Teile der Maschinen auseinander zu bauen
  2. Verunreinigungen oder Biofilme entfernen
  3. Gründliche Reinigung und Desinfektion der Maschinen und Einzelteile (eventuell durch Fachfirma)
  4. Gründliche Reinigung und Desinfektion der Arbeitsgegenstände (z.B. Schaufel)
  5. Verbindungsschlauch zwischen Maschine und Leitungsnetz regelmäßig austauschen
  6. Verunreinigte Verbindungsschläuche bzw. Schläuche in schlechtem Zustand (z.B. brüchig, porös) umgehend austauschen
  7. Untersuchung des Trinkwassers aus dem Leitungsnetz (vor dem Zulauf zur Maschine)
  8. Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen

An das Leitungsnetz (Hausinstallation) gebundene Wasserspender
Hygienemängel:

im Wasserspender
oder

im Verbindungsschlauch (Zulaufwasser) 
oder

im Leitungsnetz (Hausinstallation)

  1. Ausführliche visuelle Kontrolle des Wasserspenders inkl. Verbindungsschlauch
  2. Verunreinigungen oder Biofilme entfernen
  3. Gründliche Reinigung und Desinfektion des Wasserspenders (i.d.R. durch Fachfirma)
  4. Eventuell Verbindungsschlauch zwischen Maschine und Leitungsnetz regelmäßig austauschen
  5. Verunreinigte Verbindungsschläuche bzw. Schläuche in schlechtem Zustand (z.B. brüchig, porös) umgehend austauschen
  6. Untersuchung des Trinkwassers aus dem Leitungsnetz (vor dem Zulauf zum Wasserspender)
  7. Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen

 

Weitere Informationen und Literatur

www.bfr.bund.de unter: „Lebensmittelsicherheit“ → „Mikrobielle Risiken von Lebensmitteln“

www.bmel.de unter: „Themen“ → „Verbraucherschutz“ → „Lebensmittelsicherheit“

www.bvl.bund.de unter: „Arbeitsbereiche“ → „Lebensmittel“→ „Unerwünschte Stoffe und Organismen“

www.laves.niedersachsen.de unter: „Lebensmittel“ → „Lebensmittelhygiene“

www.lgl.bayern.de unter: „Lebensmittel“ → „Hygiene“

www.rki.de unter: „Infektionskrankheiten A-Z“/ „Mikrobiologische Diagnostik A-Z“

www.gesetze-im-internet.de unter: „Gesetze / Verordnungen“ → „TrinkwV

Energie/Wasser-praxis 11/2016 → Hygienische Sicherheit im Verteilungsnetz – Teil 2

Energie/Wasser-praxis 02/2016 → Mikrobiologische Grundlage einzelner trinkwasserrelevanter Erreger und gesundheitliche Aspekte