Steckbrief zu Essigsäurebakterien in Kosmetika
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Allgemeines Essigsäurebakterien gehören zur Familie der Acetobacteraceae. Sie sind in der Lage, Ethanol zu Essigsäure zu oxidieren und spielen daher eine wichtige Rolle im Verderb von Produkten. Für Kosmetika sind sie vor allem in Bezug auf die Qualität und Haltbarkeit von Bedeutung, da sie zu Geruchs- und Geschmacksveränderungen führen können.
Eigenschaften
- Stäbchenförmige Bakterien
- Gram-negativ
- Strikt aerob (benötigen Sauerstoff)
- Oxidieren Ethanol zu Essigsäure
- Tolerieren niedrige pH-Werte (Wachstum auch im sauren Milieu möglich)
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Herkunft / Auftreten
- Kommen in der Umwelt und auf pflanzlichen Rohstoffen vor
- Typische Eintrittswege in Kosmetika:
- kontaminierte pflanzliche Rohstoffe (Früchte, Extrakte, Blütenwasser)
- Produktionsumgebung
- Schwachstellen in der Betriebshygiene: Ansiedlung in Produktresten oder Ablagerungen in Leitungen und Tanks (Biofilm-Bildung)
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Bedeutung
- In Kosmetika führen Essigsäurebakterien primär zu sensorischen Veränderungen (Geruch, Geschmack, Ansäuerung).
- In der Kosmetikproduktion können sie ein Hinweis auf hygienische Schwachstellen sein, z. B. mangelnde Reinigung von Leitungen oder kontaminierte Rohstoffe.
- Nachweis erfordert gezielte Prüfverfahren, da sie auf Standardnährmedien (z. B. CASO) schlecht wachsen. Essigsäurebakterien werden häufig sichtbarer auf Hefe- und Schimmelpilznährmedien, da hier das Nähmedium einen niedrigeren pH-Wert aufweist und die Bebrütungsdauer länger ist (Essigsäurebakterien bilden lediglich sehr kleine Kolonien, die sehr langsam wachsen). Bei einem Verdacht auf Essigsäurebakterien bietet sich eine gezielte Untersuchung an mit spezialisierten Nährmedien. Bitte sprechen Sie in einem solchen Fall gezielt unsere Kundenberater darauf an.
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Vermehrungsbedingungen
- Temperatur:
- Optimum: +25 °C bis +30 °C
- Minimum: +5 °C
- Im Allgemeinen keine Vermehrung bei über +50 °C
- pH-Wert: Wachstum auch im sauren Milieu
- aw-Wert: Im Allgemeinen Vermehrung bei einer Wasseraktivität von min. 0,95
- Sauerstoffbedarf: obligat aerob
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Abtötung durch Erhitzen
- Bei +72 °C für min. 2 Minuten Einwirkzeit (Achtung: Kerntemperatur kontrollieren)
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| Mögliche Ursachen für überhöhte Keimzahlen |
Vorschläge für Maßnahmen |
Fehler bei der Reinigung und Desinfektion: Die Folge sind Kontaminationen von Kosmetika durch z.B. mikrobiell verunreinigte Arbeitsgeräte, -gegenständen, -oberflächen, Maschinen oder mangelnder Produktionshygiene |
- Durchführung der Reinigung und Desinfektion überprüfen:
- Hygieneplan mit Angaben zur Durchführung der Reinigung und Desinfektion z. B. Dosierung, Einwirkzeit, Einsatz geeigneter und sauberer Materialien und Reinigungstücher
- Schulung der Mitarbeiter bzgl. potenzieller Fehler sowie Verbesserungsmaßnahmen
- Erneute Reinigung und Desinfektion
- Erfolgskontrolle durch Vor-Ort-Kontrollen und Nachuntersuchungen (z. B. auch Abklatsch- und Abstrichuntersuchungen)
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Einsatz mikrobiell belasteter Rohstoffe: Wenn zur Produktion mikrobiell belastete Rohstoffe eingesetzt werden und sich in den weiteren Produktionsschritten keine sicheren Abtötungsschritte befinden, ist das Produkt dadurch ebenfalls potenziell mikrobiell belastet |
- Kontrolle der Produkte am Wareneingang auf z. B. Haltbarkeit, Verpackung, Abweichungen bzw. mikrobiologische Auffälligkeiten
- Dies gilt ebenso für die Ware vor dem Einsatz in der Produktion. Im Verdachtsfall Rohstoffe nicht verwenden
- Mikrobiologische Spezifikationen überprüfen. Eventuell auch Laboruntersuchung verdächtiger Produkte veranlassen oder Ergebnisse vom Lieferanten anfordern
- Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen
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Fehlerhaftes Konservierungssystem: Ein unzureichendes Konservierungssystem hat eine unerwünschte Vermehrung oder unzureichende Abtötung von Mikroorganismen zur Folge |
- Einhaltung der Rezeptur sicherstellen
- Eventuell Konservierungsbelastungstest (Challenge-Test) durchführen
- Eventuell Konservierungssystem anpassen
- Erfolgskontrolle durch einen erneuten Konservierungsbelastungstest
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Produktionsfehler: Fehlerhafte Prozesse, z.B. durch unzureichende Mischzeiten, Rezepturabweichungen, unzureichende Erhitzung oder Kreuzkontamination |
- Produktionsprozesse prüfen und dokumentieren
- Schulung des Personals
- Erfolgskontrolle durch regelmäßige mikrobiologische Produktuntersuchungen
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Unzureichende Trennung von „rein und unrein“: Die Folge sind unerwünschte Verunreinigungen reiner Arbeitsbereiche, Geräte oder keimarmer Rohstoffe/Produkte mit Mikroorganismen, die von „unreinen“ Tätigkeiten oder Rohstoffen mit hoher Keimbelastung stammen (Kreuz-kontaminationen) |
- Arbeitsorganisation im Betrieb überprüfen
- getrennte Arbeitsbereiche, Arbeitsgeräte und -gegenstände
- Trennung „reiner“ und „unreiner“ Bereiche und Tätigkeiten
- Schulung der Mitarbeiter bzgl. potenzieller Fehler sowie Verbesserungsmaßnahmen
- Erfolgskontrolle durch Vor-Ort-Kontrollen und Nachuntersuchungen
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Weitere Informationen und Literatur
https://www.bfr.bund.de/produktsicherheit/gesundheitliche-bewertung-von-kosmetischen-mitteln/
Fachgruppe Mikrobiologie und Betriebshygiene der DGK e.V.
Allgemeine Informationen und Publikationen
https://dgk-ev.de/mikrobiologie-und-betriebshygiene
Fachbuch „DGK-Betriebshygiene in der Kosmetik“
https://sofw.com/de/shop/buecher/product/386-dgk-betriebshygiene-in-der-kosmetik-2-ueberarbeitete-ausgabe-2019
Fachbuch „DGK-Konservierung kosmetischer Mittel“
https://www.sofw.com/de/shop/buecher/product/66-dgk-konservierung-kosmetischer-mittel
Fachbereich Kosmetika in der Arbeitsgruppe Lebensmittelchemie, Kosmetik, Gebrauchsgegenstände
der GÖCH
Allgemeine Informationen und Leitfäden
https://www.goech.at/arbeitsgruppen/lebensmittel%2C-kosmetik-%26-gebrauchsgegenst%C3%A4nde
ISO-Norm 17516 zu mikrobiologischen Grenzwerten
https://www.beuth.de/de/norm/din-en-iso-17516/203537217
ISO-Norm 29621 zur Einstufung mikrobiologisch risikoarmer Produkte
https://www.beuth.de/de/norm/din-en-iso-29621/263888044
G. Rachon, C.J. Rice, K. Pawlsowsky, C.P. Raleigh: Challenging the assumptions around the pasteurisation requirements of beer spoilage bacteria, J. Inst. Brew. 2018