Steckbrief zu Hefen

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Steckbrief zu Hefen in Kosmetika

Allgemeines
Hefen sind einzellige Pilze, die überwiegend der taxonomischen Gruppe der Schlauchpilze (Ascomycota) zugeordnet werden. In kosmetischen Mitteln werden sie nur in niedriger Anzahl toleriert. Ein Nachweis kann z.B. auf unzureichende Hygienemaßnahmen während der Herstellung, der Abfüllung oder Lagerung hindeuten. Die ISO 17516 legt auch Grenzwerte fest für die Gesamtanzahl aerober Mikroorganismen. Für Kosmetika im Allgemeinen liegt der Grenzwert bei 1000KBE/g. Für Kosmetika für Kinder unter 3 Jahren sowie bei Anwendung in sensiblen Bereichen wie Augen, Mund, oder im Intimbereich liegt der Grenzwert für Hefen bei 100 KBE/g.

Für die Hefe Candida albicans wird gemäß ISO 17516 in kosmetischen Mitteln die Abwesenheit in 1g gefordert.

→ Informationen zu einer weiteren taxonomischen Gruppe aus dem Reich der Pilze: siehe Steckbrief zu Schimmelpilzen

Herkunft / Auftreten

  • Hefen sind in unserer Umwelt weit verbreitet (z. B. Erde, Pflanzen, Luft, Wasser, Menschen, …)
  • Sie können z.B. über Rohstoffe, Verpackungsmaterialien, Produktionsumgebung oder Personal in kosmetische Produkte gelangen.
  • Vor allem in wasserhaltigen und konservierungsschwachen Produkten besteht ein erhöhtes Risiko für das Wachstum von Hefen.

Bedeutung

  • Hefen können Indikatororganismen für Hygienemängel bei der Herstellung oder eine unzureichende Konservierung sein. In höheren Keimzahlen können sie zum vorzeitigen Verderb führen.
  • Ein Nachweis deutet auf eine potenzielle Beeinträchtigung der mikrobiologischen Qualität des kosmetischen Mittels hin.
  • Hefen können auch noch unter Sauerstoffausschluss wachsen und dabei Ethanol bilden. Im Gegensatz zu den meisten Bakterien haben Hefen die besondere Eigenschaft ebenfalls bei niedrigen Wassergehalten und/oder niedrigen pH-Werten zu wachsen.
  • Eine besondere Bedeutung unter den Hefen hat Candida albicans in Kosmetika. Da diese Hefe auch Infektionen im Intimbereich hervorrufen kann, ist sie in Kosmetika unerwünscht.

Vermehrungsbedingungen

  • Temperatur:
    • Optimum: +25 °C bis +35 °C
    • Minimum: 0 °C
    • Im Allgemeinen keine Vermehrung bei über +50 °C
  • pH-Wert: Wachstum bei pH 2,0 bis 8,5 (für viele liegt das Optimum bei pH 4,0 bis 6,0).
  • aw-Wert: Laut ISO-Norm 29621 gelten Kosmetika ab einem aw-Wert von weniger als 0,75 als risikoarm, da sich Mikroorganismen in der Regel bei dieser Wasseraktivität nicht mehr vermehren können.
  • Einige Hefen haben osmophile bzw. osmotolerante oder säuretolerante Eigenschaften. Das bedeutet diese Vertreter können auch noch bei niedrigem Wassergehalt und/oder pH-Wert wachsen (z.B. Zygosaccharomyces rouxii bis zu einem aw-Wert von 0,62)
  • Sauerstoffbedarf: aerobe Atmung bzw. anaerobe Gärung (fakultativ anaerob).

Abtötung durch Erhitzen

  • Bei +72 °C für min. 2 Minuten Einwirkzeit werden die meisten Hefen abgetötet (Achtung: Kerntemperatur kontrollieren).
  • Hefesporen werden sicher ab einer Kerntemperatur von +80 °C abgetötet.
Mögliche Ursachen für überhöhte Keimzahlen Vorschläge für Maßnahmen
Fehler bei der Reinigung und Desinfektion sowie bei der Lufthygiene:
Die Folge sind Kontaminationen von Kosmetika durch z.B. mikrobiell verunreinigte Arbeitsgeräte, -gegenständen, -oberflächen, Maschinen oder mangelnder Produktionshygiene
Hinweis zur Lufthygiene: Problematisch kann die Anzahl der Hefen in der Luft zum Ende der Erntezeit in der Umgebung von Wein- und Obstanbaugebieten sein
  1. Durchführung der Reinigung und Desinfektion überprüfen:
    1. Hygieneplan mit Angaben zur Durchführung der Reinigung und Desinfektion z. B. Dosierung, Einwirkzeit, Einsatz geeigneter und sauberer Materialien und Reinigungstücher
  2. Schulung der Mitarbeiter bzgl. potenzieller Fehler sowie Verbesserungsmaßnahmen
  3. Erneute Reinigung und Desinfektion
  4. Erfolgskontrolle durch Vor-Ort-Kontrollen und Nachuntersuchungen (z. B. auch Abklatsch- und Abstrichuntersuchungen)
Einsatz von mikrobiell verunreinigtem Wasser:
Wenn zur Reinigung oder Produktion mikrobiell belastetes Wasser eingesetzt wird und sich in den weiteren Produktionsschritten keine sicheren Abtötungsschritte befinden, ist das Produkt dadurch ebenfalls potenziell mikrobiell belastet
  1. Wasseranlagen und Leitungssysteme auf korrekte Funktion und Zustand prüfen. Stagnation von Wasser in z.B. Leitungen, Anlagen, Schläuchen… unbedingt vermeiden
  2. Wasseranlage und Leitungssystem regelmäßig mikrobiologisch und technisch überprüfen (Wartungsintervalle beachten)
  3. Im Falle von Kontaminationen von Wassersystemen sofort reagieren und Maßnahmen einleiten. Nach Bedarf entsprechende Fachfirmen hinzuzuziehen
  4. Erfolgskontrolle durch regelmäßige Nachuntersuchungen
Einsatz mikrobiell belasteter Rohstoffe:
Wenn zur Produktion mikrobiell belastete Rohstoffe eingesetzt werden und sich in den weiteren Produktionsschritten keine sicheren Abtötungsschritte befinden, ist das Produkt dadurch ebenfalls potenziell mikrobiell belastet
  1. Kontrolle der Produkte am Wareneingang auf z. B. Haltbarkeit, Verpackung, Abweichungen bzw. mikrobiologische Auffälligkeiten
  2. Dies gilt ebenso für die Ware vor dem Einsatz in der Produktion. Im Verdachtsfall Rohstoffe nicht verwenden
  3. Mikrobiologische Spezifikationen überprüfen. Eventuell auch Laboruntersuchung verdächtiger Produkte veranlassen oder Ergebnisse vom Lieferanten anfordern
  4. Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen
Fehlerhaftes Konservierungssystem:
Ein unzureichendes Konservierungssystem hat eine unerwünschte Vermehrung oder unzureichende Abtötung von Mikroorganismen zur Folge
  1. Einhaltung der Rezeptur sicherstellen
  2. Eventuell Konservierungsbelastungstest (Challenge-Test) durchführen
  3. Eventuell Konservierungssystem anpassen
  4. Erfolgskontrolle durch einen erneuten Konservierungsbelastungstest
Produktionsfehler:
Fehlerhafte Prozesse, z.B. durch unzureichende Mischzeiten, Rezepturabweichungen, unzureichende Erhitzung oder Kreuzkontamination
  1. Produktionsprozesse prüfen und dokumentieren
  2. Schulung des Personals
  3. Erfolgskontrolle durch regelmäßige mikrobiologische Produktuntersuchungen
Unzureichende Trennung von „rein und unrein“:
Die Folge sind unerwünschte Verunreinigungen reiner Arbeitsbereiche, Geräte oder keimarmer Rohstoffe/Produkte mit Mikroorganismen, die von „unreinen“ Tätigkeiten oder Rohstoffen mit hoher Keimbelastung stammen (Kreuz-kontaminationen)
  1. Arbeitsorganisation im Betrieb überprüfen
    1. getrennte Arbeitsbereiche, Arbeitsgeräte und -gegenstände
    2. Trennung „reiner“ und „unreiner“ Bereiche und Tätigkeiten
  2. Schulung der Mitarbeiter bzgl. potenzieller Fehler sowie Verbesserungsmaßnahmen
  3. Erfolgskontrolle durch Vor-Ort-Kontrollen und Nachuntersuchungen

 

Weitere Informationen und Literatur

https://www.bfr.bund.de/produktsicherheit/gesundheitliche-bewertung-von-kosmetischen-mitteln/

Fachgruppe Mikrobiologie und Betriebshygiene der DGK e.V.
Allgemeine Informationen und Publikationen
https://dgk-ev.de/mikrobiologie-und-betriebshygiene

Fachbuch „DGK-Betriebshygiene in der Kosmetik“
https://www.sofw.com/de/shop/buecher/product/386-dgk-betriebshygiene-in-der-kosmetik-2-ueberarbeitete-ausgabe-2019

Fachbuch „DGK-Konservierung kosmetischer Mittel“
https://www.sofw.com/de/shop/buecher/product/66-dgk-konservierung-kosmetischer-mittel

Fachbereich Kosmetika in der Arbeitsgruppe Lebensmittelchemie, Kosmetik, Gebrauchsgegenstände
der GÖCH
Allgemeine Informationen und Leitfäden
https://www.goech.at/arbeitsgruppen/lebensmittel%2C-kosmetik-%26-gebrauchsgegenst%C3%A4nde

ISO-Norm 17516 zu mikrobiologischen Grenzwerten
https://www.beuth.de/de/norm/din-en-iso-17516/203537217

ISO-Norm 29621 zur Einstufung mikrobiologisch risikoarmer Produkte
https://www.beuth.de/de/norm/din-en-iso-29621/263888044