Steckbrief zu Hepatitis-A-Viren in Lebensmitteln
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Allgemeines Das Hepatitis-A-Virus verursacht eine akute Leberentzündung mit klinischen Zeichen einer Gelbsucht. In Bezug auf Lebensmittel ist eine Übertragung besonders durch rohe Lebensmittel, Wasser und menschliche Ausscheider möglich. In Ländern mit niedrigem Hygienestandard ist die Durchseuchung im Kindesalter sehr hoch. In Europa und Nordamerika treten Erkrankungen durch Hepatitis-A mittlerweile nur noch reiseassoziiert auf, weshalb es hier in den letzten Jahrzehnten zu einem kontinuierlichen Rückgang der Häufigkeit der Erkrankungen gekommen ist.
Eigenschaften
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Herkunft / Auftreten
- Mensch ist Hauptwirt von Hepatitis-A-Viren
- Auftreten in Ländern mit niedrigen Hygienestandards. In Europa und Nordamerika treten Erkrankungen durch Hepatitis-A mittlerweile nur noch reiseassoziiert auf
- Belastete Abwässer und Trinkwasser sowie kontaminierte rohe Lebensmittel (z. B. Muscheln, Austern, Obst (meist TK) und Gemüse)
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Bedeutung
- Der Mensch ist der Hauptwirt und wahrscheinlich das einzige Reservoir von Hepatitis-A-Viren. Diese werden bereits 1 bis 2 Wochen vor Krankheitsbeginn mit dem Stuhl ausgeschieden und durch direkte Kontakte oder Schmierinfektionen auf Menschen und Lebensmittel übertragen
- Charakteristisch für das Virus ist, dass es eine hohe Resistenz gegenüber Desinfektionsmitteln, Umwelteinflüssen und Hitze besitzt
- Die Anzahl der lebensmittelbedingten Hepatitis-A-Infektionen in Deutschland ist sehr gering und überwiegend reiseassoziiert
- Es besteht eine Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) für Reisende in Endemiegebiete
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Krankheitsbild
- Niedrige minimale Infektionsdosis: ca. 10-100 Viruspartikel
- Inkubationszeit: 2 bis 6 Wochen
- Erkrankungsdauer: 3 bis 6 Wochen
- Symptome: Bauchschmerzen, Gelenk- und Gliederschmerzen, grippeähnliche Symptome, Erbrechen, Übelkeit, verbunden mit Fieber und einem Widerwillen gegenüber fettigen und gebratenen Speisen, Gelbsucht (durch Erkrankung der Leber treten Gallenbestandteile ins Blut, die Augen und Haut gelb färben)
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Beispiele betroffener Lebensmittel
- Verunreinigtes Trinkwasser
- Kontaminierte Meerestiere (z. B. Muscheln, Austern)
- Gemüse, Salat, Obst (auf Grund von Düngung der Felder mit Fäkalien oder Bewässerung mit fäkal verunreinigtem Wasser)
- Lebensmittel die über Fäkalien mit Hepatitis-A-Viren kontaminiert sind
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Stabilität
- Eine Vermehrung ist nur in Wirtszellen im Mensch möglich
- In Lebensmitteln und Trinkwasser können sich Viren nicht vermehren, aber über einen längeren Zeitraum infektiös bleiben
- Temperatur:
- Optimum: +4 °C
- Viren können bei Kühlschrank- und Tiefkühltemperaturen (-18 °C) über einen längeren Zeitraum infektiös bleiben
- Zunehmende Inaktivierung bei über +60 °C
- Empfindlich gegenüber niedrigen pH-Werten und Trockenheit
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Abtötung durch Erhitzen
- Bei +85 °C für min. 2 Minuten Einwirkzeit werden die Viren abgetötet (Achtung: Kerntemperatur kontrollieren)
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| Mögliche Ursachen für überhöhte Keimzahlen |
Vorschläge für Maßnahmen |
Fehler bei der Personalhygiene: Dadurch kann es zur Übertragung von (gefährlichen) Mikroorganismen auf z.B. produktberührende Arbeitsgegenstände oder Lebensmittel kommen. Mögliche Fehler sind z.B. unzureichende Händehygiene oder Handschuhwechsel, Mängel bei der Körperhygiene, verunreinigte Arbeitskleidung oder fehlerhaftes Verhalten bei Erkrankungen (Mängel beim Infektionsschutz) |
- Schulung der Mitarbeiter bzgl. potenzieller Fehler sowie Verbesserungsmaßnahmen
- Regelmäßige Reinigung und Desinfektion der Hände bzw. regelmäßiger Wechsel der Handschuhe
- Regelmäßiger Wechsel der Arbeitskleidung. Auf Sauberkeit der Arbeitskleidung achten
- Mitarbeiter bezüglich der Anforderungen an Infektionsschutz schulen
- Erfolgskontrolle durch visuelle Vor-Ort-Kontrollen und Nachuntersuchungen
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Mängel beim Infektionsschutz: Dadurch besteht die Gefahr der Übertragung von krankheitserregenden Mikroorganismen vom Menschen auf produktberührende Oberflächen oder direkt auf Lebensmittel
Beispiele:
Salmonellen von Ausscheidern oder erkrankten Mitarbeitern
Staphylococcus aureus von Mitarbeitern mit entzündeten bzw. eitrigen Wunden oder mit Besiedlung des Nasen-Rachenraumes
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- Mitarbeiter, die an Infektionen durch Salmonellen, EHEC/STEC, Shigellen Choleravibrionen, Hepatitis A oder E-Viren oder anderen infektiösen Magen-Darmerkrankungen erkrankt oder verdächtig sind oder die o.g bakteriellen Erreger ausscheiden, dürfen nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) nicht in Lebensmittelbetrieben mit leicht verderblichen Lebensmitteln und Küchen tätig sein (siehe IfSG § 42)
- Gleiches gilt für Mitarbeiter, die an entzündeten oder eitrigen Wunden leiden. Nicht infizierte Wunden müssen hygienisch einwandfrei versorgt werden
- Regelmäßige Schulungen/Belehrung der Mitarbeiter bzgl. der erforderlichen Infektionsschutzmaßnahmen
- Erfolgskontrolle durch visuelle Vor-Ort-Kontrollen, Kontrollen der Schulungsnachweise und Nachuntersuchungen
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Fehler beim landwirtschaftlichen Anbau, Ernte oder nachgelagerten Prozessen: Kontamination von pflanzlichen Lebensmitteln beim Anbau durch Ausscheidungen von Tieren, verunreinigtes Wasser bzw. Düngemittel oder Personal |
- Abstand zu Feldern mit Tierhaltung, Wildtiere von Feldern fernhalten durch z. B. Zäune oder Netze
- Wasserhygiene: Zur Bewässerung darf kein kontaminiertes Wasser genutzt werden. Bewässerungs- und Drainagesystems müssen geeignet sein. Regelmäßige Kontrolle der mikrobiologischen Wasserqualität
- Beim Pflanzenanbau dürfen keine mikrobiell kontaminierten Düngemittel eingesetzt werden
- Personal- & Arbeitshygiene bei Ernte oder nachgelagerten Schritten
- Erde bzw. Verunreinigungen durch Waschen entfernen
- Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen
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Einsatz mikrobiell belasteter Rohstoffe oder Zutaten: Sind im Prozess keine sicheren Abtötungsschritte vorhanden, können die daraus hergestellten Lebensmittel potenziell mikrobiell belastet sein (z. B. roher Fisch oder Meeresfrüchte …) |
- Kontrolle der Produkte am Wareneingang auf z. B. Eingangs- bzw. Transporttemperatur, Haltbarkeit, Verpackung, Abweichungen bzw. Auffälligkeiten
- Dies gilt ebenso für die Ware vor dem Einsatz in der Produktion. Im Zweifelsfall sind Lebensmittel nicht zu verwenden und Vorgesetzten fragen
- Mikrobiologische Spezifikationen überprüfen. Eventuell auch Laboruntersuchung verdächtiger Produkte veranlassen oder Ergebnisse vom Lieferanten anfordern
- Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen
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Unzureichende Trennung von „rein und unrein“: Die Folge sind unerwünschte Verunreinigungen reiner Arbeitsbereiche, Geräte oder keimarmer Lebensmittel mit Mikroorganismen, die von „unreinen“ Tätigkeiten oder Lebensmitteln mit hoher Keimbelastung stammen (Kreuz-kontaminationen) |
- Arbeitsorganisation im Betrieb überprüfen
- getrennte Arbeitsbereiche, Arbeitsgeräte und -gegenstände für rohe und verarbeitete Lebensmittel
- Trennung „reiner“ und „unreiner“ Bereiche und Tätigkeiten
- Schulung der Mitarbeiter bzgl. potenzieller Fehler sowie Verbesserungsmaßnahmen
- Erfolgskontrolle durch visuelle Vor-Ort-Kontrollen und Nachuntersuchungen
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Fehler beim Erhitzen, Warmhalten oder Abkühlen: Die Folge ist eine unzureichende Abtötung von Mikroorganismen aufgrund unzureichender Erhitzung oder eine starke Keimvermehrung aufgrund zu niedriger Warmhaltetemperaturen in Verbindung mit zu langen Abkühlphasen |
- Prozesse, Produktionsprotokolle und Dokumentationen prüfen
- Abtötung der Viren ab einer Kerntemperatur von +85 °C für min. 2 Minuten
- Richtigkeit der Prozesse und Temperaturen kontrollieren
- Im Allgemeinen sind Warmhalte-temperaturen von über +60°C erforderlich
- Schnelle Abkühlung: nach 3 Stunden muss eine Kerntemperatur von min. +7°C erreicht sein (besondere Vorsicht ist bei großen Mengen erforderlich)
- Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen
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Weitere Informationen und Literatur
www.bfr.bund.de unter: „Lebensmittelsicherheit“ → „Mikrobielle Risiken von Lebensmitteln“ → „Viren“
www.bmel.de unter: „Themen“ → „Verbraucherschutz“ → „Lebensmittelsicherheit“
www.bvl.bund.de unter: „Arbeitsbereiche“ → „Lebensmittel“→ „Unerwünschte Stoffe und Organismen“
www.laves.niedersachsen.de unter: „Lebensmittel“ → „Lebensmittelhygiene“
www.lgl.bayern.de unter: „Lebensmittel“ → „Hygiene“
www.rki.de unter: „Infektionskrankheiten A-Z“/ „Mikrobiologische Diagnostik A-Z“