Steckbrief zu Staphylococcus aureus in Kosmetika
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Allgemeines Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das häufig auf der Haut und den Schleimhäuten von Menschen und Tieren vorkommt. Es gehört zur Gruppe der koagulase-positiven Staphylokokken. In kosmetischen Produkten ist S. aureus gefürchtet, da er Haut- und Wundinfektionen, Abszesse sowie Harnwegsinfektionen verursachen kann. In kosmetischen Mitteln wird gemäß ISO 17516 die Abwesenheit von S. aureus in 1g gefordert.
Eigenschaften
- Kokkenförmige Bakterien
- Gram-positiv
- Oxidase-negativ
- Katalase-positiv
- Toxinbildner
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Herkunft / Auftreten
- Natürlicher Bestandteil der Hautflora bei Menschen (insbesondere Kopfhaut und Haare) sowie auf Schleimhäuten des Nasen-Rachen-Raumes (z. B. Nasensekret und Speichel).
- Auftreten in hohen Keimzahlen falls der Erreger verantwortlich ist für Infektionen im Nasen-Rachen-Raum oder bei Wundinfektionen.
- Auftreten auch bei Nutz- und Haustieren.
- Aufgrund ihrer weiten Verbreitung bei Mensch und Tier sind diese Keime auch regelmäßig in unserer Umwelt zu finden.
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Bedeutung
- S. aureus ist ein potentieller Infektionserreger in Kosmetika (insbesondere bei verletzten Hautpartien sowie Anwendungen im Nasen, Mund und Ohrenbereich).
- Hygieneindikator →mangelnde Personalhygiene
- Relativ resistent gegen Austrocknung (Relevanz bei getrockneten Rohstoffen).
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Wichtiger Hinweis
- Es existieren auch antibiotikaresistente Stämme (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus – MRSA), die z. B. schwere Wundinfektionen hervorrufen können.
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Vermehrungsbedingungen
- Temperatur:
- Optimum: +35 °C bis +40 °C
- Minimum: +6 °C
- Im Allgemeinen keine Vermehrung über +50 °C
- pH-Wert: Wachstum bei pH 4,5 bis 9,3 (Ausnahmen sogar bis pH 4,0).
- aw-Wert: Laut ISO-Norm 29621 gelten Kosmetika ab einem aw-Wert von 0,75 als risikoreich, da sich die meisten Bakterien bei dieser Wasseraktivität vermehren können (relativ resistent gegen Austrocknung).
- Salztoleranz: bis max. 20 %; Vermehrung noch bei 6,5 bis 10 %
- Sauerstoffbedarf: Wachstum mit und ohne Sauerstoff (fakultativ anaerob).
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Abtötung durch Erhitzen
- Bei +72 °C für min. 2 Minuten Einwirkzeit (Achtung: Kerntemperatur kontrollieren).
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| Mögliche Ursachen für überhöhte Keimzahlen |
Vorschläge für Maßnahmen |
Reinigung und Desinfektion: Mikrobiell verunreinigte Arbeitsgeräte, -gegenstände oder -oberflächen, mangelnde Produktionshygiene |
- Durchführung der Reinigung und Desinfektion überprüfen:
- Hygieneplan mit
- Details zur Durchführung der Reinigung und Desinfektion z. B. Dosierung des Desinfektionsmittels, Einwirkzeit, Einsatz geeigneter und sauberer Materialien und Reinigungstücher
- Vorgaben zur Reinigung und Desinfektion für alle produktberührenden Systeme und Hilfsmittel
- Schulung der Mitarbeiter bzgl. potentieller Fehler sowie Verbesserungsmaßnahmen
- Erneute Reinigung und Desinfektion
- Erfolgskontrolle durch Vor-Ort-Kontrollen und Nachuntersuchungen (z. B. auch Abklatsch- und Abstrichuntersuchungen)
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Rohstoffe und Zutaten: Einsatz mikrobiell belasteter oder falscher Rohstoffe oder Zutaten |
- Kontrolle der Produkte am Wareneingang auf z. B. Eingangs- bzw. Transporttemperatur, Haltbarkeit, Verpackung, Abweichungen bzw. mikrobiologische Auffälligkeiten
- Dies gilt ebenso für die Ware vor dem Einsatz in der Produktion. Im Verdachtsfall Rohstoffe und Zutaten nicht verwenden
- Mikrobiologische Spezifikationen überprüfen. Eventuell auch Laboruntersuchung verdächtiger Produkte veranlassen oder Ergebnisse vom Lieferanten anfordern
- Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen
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Trennung „rein und unrein“: Unzureichende Trennung von reinen und unreinen Arbeitsbereichen |
- Arbeitsorganisation im Betrieb überprüfen
- getrennte Arbeitsbereiche, Arbeitsgeräte und -gegenstände
- Trennung „reiner“ und „unreiner“ Bereiche und Tätigkeiten
- Schulung der Mitarbeiter bzgl. potentieller Fehler sowie Verbesserungsmaßnahmen
- Erfolgskontrolle durch Vor-Ort-Kontrollen und Nachuntersuchungen
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Personalhygiene: Zum Beispiel Fehler bei der Händehygiene und Sauberkeit der Arbeitskleidung |
- Schulung der Mitarbeiter bzgl. potentieller Fehler sowie Verbesserungsmaßnahmen
- Kontrolle des Wechsels sowie der Sauberkeit der Arbeitskleidung
- Erfolgskontrolle durch Vor-Ort-Kontrollen und Nachuntersuchungen (z. B. auch Abklatsch- und Abstrichuntersuchungen)
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Umgebungs- und Lagerbedingungen: Zum Beispiel zu hohe Luftkeimzahlen oder hohe Luftfeuchtigkeit und Bildung von Kondenswasser |
- Prüfung der Luftkeimzahlen und der Belüftungsanlagen durch technische Prüfung sowie Umgebungsuntersuchungen
- Vermeidung hoher Luftfeuchtigkeit und Kondenswasserbildung
- Sachgerechte Reinigung und Desinfektion (siehe unter Abschnitt „Reinigung und Desinfektion“)
- Schulung der Mitarbeiter bzgl. potentieller Fehler sowie Verbesserungsmaßnahmen
- Erfolgskontrolle durch Vor-Ort-Kontrollen und Nachuntersuchungen
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Produktionsfehler: Fehlerhafte Prozesse, z.B. durch unzureichende Mischzeiten oder Kreuzkontamination |
- Produktionsprozesse prüfen und dokumentieren
- Schulung des Personals
- Erfolgskontrolle durch regelmäßige mikrobiologische Produktuntersuchungen
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Erhitzen: Fehler bei der Herstellung (z. B. unzureichende Erhitzung) |
- Prozesse, Produktionsprotokolle und Dokumentationen prüfen
- Abtötung der meisten Mikroorganismen ab einer Kerntemperatur von +72 °C für min. 2 Minuten
- Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen
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Konservierungssystem: Unzureichendes Konservierungssystem |
- Konservierungsbelastungstest (Challenge-Test) durchführen
- Eventuell Konservierungssystem anpassen
- Erfolgskontrolle durch einen erneuten Konservierungsbelastungstest
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Weitere Informationen und Literatur
https://www.bfr.bund.de/produktsicherheit/gesundheitliche-bewertung-von-kosmetischen-mitteln/
Fachgruppe Mikrobiologie und Betriebshygiene der DGK e.V.
Allgemeine Informationen und Publikationen
https://dgk-ev.de/mikrobiologie-und-betriebshygiene
Fachbuch „DGK-Betriebshygiene in der Kosmetik“
https://www.sofw.com/de/shop/buecher/product/386-dgk-betriebshygiene-in-der-kosmetik-2-ueberarbeitete-ausgabe-2019
Fachbuch „DGK-Konservierung kosmetischer Mittel“
https://www.sofw.com/de/shop/buecher/product/66-dgk-konservierung-kosmetischer-mittel
Fachbereich Kosmetika in der Arbeitsgruppe Lebensmittelchemie, Kosmetik, Gebrauchsgegenstände
der GÖCH
Allgemeine Informationen und Leitfäden
https://www.goech.at/arbeitsgruppen/lebensmittel%2C-kosmetik-%26-gebrauchsgegenst%C3%A4nde
ISO-Norm 17516 zu mikrobiologischen Grenzwerten
https://www.beuth.de/de/norm/din-en-iso-17516/203537217
ISO-Norm 29621 zur Einstufung mikrobiologisch risikoarmer Produkte
https://www.beuth.de/de/norm/din-en-iso-29621/263888044