Steckbrief zu sulfitreduzierenden Clostridien und Clostridium perfringens in Lebensmitteln
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Allgemeines Clostridien sind eine Gattung sporenbildender Bakterien, die sich nur unter Sauerstoffausschluss (strikte Anaerobier) vermehren können. Die Sporen können allerdings auch unter aeroben Bedingungen, bei hohen Temperaturen (z. B. Erhitzungsschritte) sowie bei Austrocknung überdauern. Clostridien und deren Sporen sind in der Umwelt weit verbreitet, weshalb sie in Lebensmitteln regelmäßig auftreten.
Die Gruppe der sulfitreduzierenden Clostridien spielen in Lebensmitteln insbesondere als Verderbniserreger eine Rolle. Aber auch Krankheitserreger wie Clostridium perfringens (C. perfringens) und Clostridium botulinum (C. botulinum) befinden sich unter dieser Gruppe von Bakterien.
→ Zu Clostridium botulinum sind spezifischere Informationen in einem weiteren Steckbrief enthalten
Eigenschaften
- Stäbchenförmige Bakterien
- Gram-positiv
- Oxidase-negativ
- Katalase-negativ
- Sporenbildner
- Toxinbildner (Clostridium perfringens)
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Herkunft / Auftreten
- Diese Bakterien und deren Sporen sind in unserer Umwelt weit verbreitet (z. B. Erde, Staub, Wasser, Darmtrakt von Tieren und Menschen)
- In pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln vorhanden
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Bedeutung
- Die Gruppe der sulfitreduzierenden Clostridien werden in Lebensmitteln als Verderbniserreger angesehen. Es existieren darunter aber auch potenzielle pathogene Arten wie C. perfringens und C. botulinum
- C. perfringens ist insbesondere bekannt als Verursacher von Gruppenerkrankungen in der Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung. Sporen keimen nach dem Kochprozess im Lebensmittel aus und vermehren sich anschließend bei zu niedrigen Warmhaltetemperaturen oder zu langsamer Abkühlung
- Pathogene C. perfringens-Stämme bilden Enterotoxine und geben diese hauptsächlich während der Sporulation im Darm ab
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Krankheitsbild Clostridium perfringens
- Minimale Intoxikationsdosis: in der Regel min. 105 KbE/g (bei Enterotoxinbildung)
- Inkubationszeit: 8 bis 20 Stunden
- Erkrankungsdauer: meist 10 bis 24 Stunden
- Symptome bei Intoxikationen durch Enterotoxine: Diarrhöe mit Unterleibsschmerzen
- Selten Komplikationen
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Beispiele betroffener Lebensmittel
- Fleischgerichte mit größeren Fleischstücken; Braten
- Suppen, Soßen (insbesondere in großen Behältnissen)
- Vakuumverpackte Fleisch- und Fischerzeugnisse
- Geflügel- und Fleischsalate
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Vermehrungsbedingungen und Toxinproduktion
- Temperatur:
- Optimum: +43 °C bis +47 °C
- Minimum: +15 °C (abhängig vom Clostridien-Stamm, Ausnahmen sogar bis +4 °C)
- Im Allgemeinen keine Vermehrung über +58 °C
- pH-Wert: Wachstum bei pH 5,0 bis 8,0
- aw-Wert: Vermehrung bei einer Wasseraktivität von min. 0,94
- Sauerstoffbedarf: (strikt) anaerob (Sporen überleben auch in Abwesenheit von Sauerstoff)
- Toxinproduktion: abhängig vom Clostridien-Stamm, in der Regel unter optimalen Vermehrungsbedingungen
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Abtötung durch Erhitzen
- Bei +72 °C für min. 2 Minuten Einwirkzeit werden vegetative Bakterien abgetötet (Achtung: Kerntemperatur kontrollieren) → Sporen sind jedoch hitzestabil
- Hitzeresistente Sporen überleben sogar Kochprozesse (Abtötung bei +100 °C für min. 60 Minuten)
- Das C. perfringens-Enterotoxin, das erst im Darm freigesetzt wird, ist relativ hitzeempfindlich. Inaktivierung bei +60 °C in 5 Minuten
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| Mögliche Ursachen für überhöhte Keimzahlen |
Vorschläge für Maßnahmen |
Erhitzen, Warmhalten und Abkühlen: Fehler bei der Herstellung (z. B. unzureichende Erhitzung, zu niedrige Warmhaltetemperaturen, zu lange Abkühlphasen v.a. bei großen Portionen) |
- Prozesse, Produktionsprotokolle und Dokumentationen prüfen
- Abtötung der vegetativen Bakterien ab einer Kerntemperatur von +72 °C für min. 2 Minuten und hitzestabiler Sporen ab +100 C für min. 60 Minuten. Inaktivierung der hitzelabilen Enterotoxine bei +60 °C für 5 Minuten
- Richtigkeit der Prozesse und Temperaturen kontrollieren
- Im Allgemeinen sind Warmhalte-temperaturen von über +60°C erforderlich
- Schnelle Abkühlung: nach 3 Stunden muss eine Kerntemperatur von min. +7°C erreicht sein (besondere Vorsicht ist bei großen Mengen erforderlich)
- Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen
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Fehler bei der Kühlung oder zu lange Haltbarkeitsdauer: Die Folge ist eine zu starke Vermehrung von Mikroorganismen aufgrund von Unterbrechungen der Kühlkette, zu hohe Lagertemperaturen oder einer Überlagerung (zu lange Haltbarkeit) der Lebensmittel |
- Rückverfolgbarkeit der Kühlkette beim Transport bzw. Lieferant einfordern
- Eingangs- und Lagertemperatur kontrollieren
- Kühltemperaturen bzw. Kühlketten bei der Verarbeitung, Transport und Verkauf kontrollieren
- Bei Verdacht auf Überlagerung (bzw. zu langer Haltbarkeit) entsprechende Lagertests durchführen
- Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen
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Einsatz mikrobiell belasteter Rohstoffe oder Zutaten: Sind im Prozess keine sicheren Abtötungsschritte vorhanden, können die daraus hergestellten Lebensmittel potenziell mikrobiell belastet sein |
- Kontrolle der Produkte am Wareneingang auf z. B. Eingangs- bzw. Transporttemperatur, Haltbarkeit, Verpackung, Abweichungen bzw. Auffälligkeiten
- Dies gilt ebenso für die Ware vor dem Einsatz in der Produktion. Im Zweifelsfall sind Lebensmittel nicht zu verwenden und Vorgesetzten fragen
- Mikrobiologische Spezifikationen überprüfen. Eventuell auch Laboruntersuchung verdächtiger Produkte veranlassen oder Ergebnisse vom Lieferanten anfordern
- Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen
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Fehler bei der Reinigung und Desinfektion: Die Folge sind Kontaminationen von Lebensmitteln durch z.B. mikrobiell verunreinigte Arbeitsgeräte, -gegenständen, -oberflächen oder Maschinen |
- Durchführung der Reinigung und Desinfektion überprüfen:
- Hygieneplan
- Durchführung der Reinigung und Desinfektion z. B. Dosierung des Desinfektionsmittels, Einwirkzeit, Einsatz geeigneter und sauberer Materialien und Reinigungstücher
- Feuchtigkeitsreste und Biofilme vermeiden. Auf gute Abtrocknung der Anlagen, Geräte und Oberflächen achten
- Schulung der Mitarbeiter bzgl. potenzieller Fehler sowie Verbesserungsmaßnahmen
- Reinigung und Desinfektion wiederholen
- Erfolgskontrolle durch visuelle Vor-Ort-Kontrollen, Umgebungsuntersuchungen und Nachuntersuchungen
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Weitere Informationen und Literatur
www.bfr.bund.de unter: „Lebensmittelsicherheit“ → „Mikrobielle Risiken von Lebensmitteln“
www.bmel.de unter: „Themen“ → „Verbraucherschutz“ → „Lebensmittelsicherheit“
www.bvl.bund.de unter: „Arbeitsbereiche“ → „Lebensmittel“→ „Unerwünschte Stoffe und Organismen“
www.laves.niedersachsen.de unter: „Lebensmittel“ → „Lebensmittelhygiene“
www.lgl.bayern.de unter: „Lebensmittel“ → „Hygiene“
www.rki.de unter: „Infektionskrankheiten A-Z“/ „Mikrobiologische Diagnostik A-Z“