Steckbrief zur Koloniezahl bei +22 °C und +36 °C im Trinkwasser
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Allgemeines Die Koloniezahl bei +22 °C und +36 °C wird häufig auch als „Gesamtkeimzahl“ bezeichnet. Sie gibt Auskunft über die Anzahl der Mikroorganismen im Leitungswasser, die sich unter aeroben Bedingungen bei den Untersuchungstemperaturen von +22 °C bzw. +36 °C optimal vermehren.
- Spezifischere Informationen zu wichtigen Mikroorganismen in Trinkwasser: siehe weitere Steckbriefe
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Herkunft / Auftreten
- Die Untersuchung Koloniezahl bei +22 °C und +36 °C deckt eine Vielzahl unterschiedlicher Mikroorganismen ab. Die Ursache für das Auftreten und die Herkunft ist je nach Mikroorganismus unterschiedlich (z.B. Erde, Pflanzen, Tiere, Menschen)
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Bedeutung allgemein
- Trinkwasser ist nicht keimfrei und eine gewisse Koloniezahl ist unvermeidbar
- Eine erhöhte Koloniezahl bedeutet zwar keine direkte Gesundheitsgefährdung, ist aber ein Signal für eine negative Veränderung, die behoben werden muss
Bedeutung Koloniezahl bei +22 °C
- Bei diesem Parameter wird das Trinkwasser auf die natürliche Keimbelastung getestet
- Eine Überschreitung dieses Parameters deutet auf eine negative Veränderung der Betriebsbedingungen im Leitungsnetz hin wie z.B. Ablagerungen, erhöhte Nährstoffverfügbarkeit, Störung des Biofilms
Bedeutung Koloniezahl bei +36 °C
- Dieser Parameter ist im Trinkwasser ein Indikator für eine von außen in das Leitungsnetz eingetragene Kontamination. Bei diesen Keimen kann es sich auch um potenziell pathogene Mikroorganismen handeln
- Eine Überschreitung dieses Parameters deutet auf eine externe Kontamination hin wie z.B. das Eindringen von Insekten, Erde, Pflanzen oder den Eintrag von Fäkalverunreinigungen
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Vermehrungsbedingungen
- Temperatur:
- Optimum: zwischen +20 °C und +40 °C
- Minimum: meist +5 bis +10 °C (abhängig vom Vertreter, Ausnahmen sogar bis 0°C)
- Im Allgemeinen keine Vermehrung über +50 °C (Ausnahme sind thermophile Bakterien)
- pH-Wert: Wachstum im Allgemeinen bei 5,0 bis 9,0 (abhängig vom Vertreter, auch bei deutlich niedrigeren pH-Werten)
- aw-Wert: die meisten Bakterien vermehren sich bei mittlerer bis hoher Wasseraktivität von min. 0,88 (in seltenen Fällen auch bei deutlich niedrigeren aw-Werten)
- Sauerstoffbedarf: Wachstum vieler Bakterien mit und ohne Sauerstoff (fakultativ anaerob). Es gibt aber auch Bakterien, die sich nur unter aeroben oder anaeroben Bedingungen vermehren können.
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Abtötung durch Erhitzen
- Die meisten Mikroorganismen sterben bei +72 °C für min. 2 Minuten ab (Achtung: Kerntemperatur kontrollieren)
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| Mögliche Ursachen für überhöhte Keimzahlen |
Vorschläge für Maßnahmen |
Bei Trinkwasser oder Prozesswasser am Wasserauslauf Wasserauslauf bzw. Armatur verunreinigt (auch Perlator berücksichtigen) |
- Falls Perlator vorhanden: ausbauen und desinfizieren. Je nach Zustand ersetzen
- Verunreinigungen und/oder Biofilme entfernen
- Wenn möglich letztes Stück vom Wasserablauf nach der Reinigung zusätzlich abflammen
- Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen
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Bei Trinkwasser oder Prozesswasser (Ursache im Leitungsnetz) Leitungsnetz (Hausinstallation) verunreinigt, stehendes Wasser im System oder enthält einen Biofilm
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- Eventuell Stufenuntersuchungen durchführen, um die Stelle der Kontamination im Leitungsnetz besser zu identifizieren
- Fachfirma oder Haustechnik mit Ursachenfindung beauftragen
- Desinfektion durchführen
- Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen
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Bei Trinkwasser oder Prozesswasser aus Leitungsnetz (Ursache sind eingebaute Teile/Anlagen) In der Hausinstallation befinden sind verunreinigte Filter und/oder Anlagen zur Wasseraufbereitung (z.B. Wasserenthärtungs- und Aufhärtungsanlagen, Filter-, Destillations-, UV-Systeme) |
- Ausführliche visuelle Kontrolle der Aufbereitungsanlage
- Prüfung der Wartungsintervalle, eventuell Filterwechsel
- Fachfirma oder Haustechnik mit Prüfung/Wartung beauftragen
- Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen
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Bei Trinkwasser aus Eigenwasserversorgungsanlagen, d.h. aus eigenen Brunnen und Quellen
Verunreinigung durch Eingriff/Reparatur in der Quellfassung/Brunnenstube
Verunreinigung nach Starkregen (Verunreinigung durch Oberflächenwasser)
Verunreinigung durch Baumängel in der Quellfassung/Brunnenstube (Undichtigkeit, altersbedingte Abnutzungen)
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- Ausführliche visuelle Kontrolle der Quellfassung/Brunnenstube und Umgebung
- Regelmäßige Kontrolle der Eigenwasserversorgungsanlage, besonders nach möglichen wetterbedingten Einflüssen (Starkregen, lange Trockenheit)
- Turnusmäßig die vom Gesundheitsamt geforderte Kontrolle durchführen
- Fachfirma in sinnvollen Abständen mit Reinigung und Desinfektion der Quellfassung/Brunnenstube beauftragen
- Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen
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Bei Scherbeneis, Crushed Eis und Eiswürfeln Hygienemängel:
in der Maschine inkl. Arbeitsgegenstände oder
im Verbindungsschlauch (Zulaufwasser) oder
im Leitungsnetz (Hausinstallation)
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- Ausführliche visuelle Kontrolle der Maschinen und Verbindungsschläuche. Dazu ist es in der Regel auch erforderlich Teile der Maschinen auseinander zu bauen
- Verunreinigungen oder Biofilme entfernen
- Gründliche Reinigung und Desinfektion der Maschinen und Einzelteile (eventuell durch Fachfirma)
- Gründliche Reinigung und Desinfektion der Arbeitsgegenstände (z.B. Schaufel)
- Verbindungsschlauch zwischen Maschine und Leitungsnetz regelmäßig austauschen
- Verunreinigte Verbindungsschläuche bzw. Schläuche in schlechtem Zustand (z.B. brüchig, porös) umgehend austauschen
- Untersuchung des Trinkwassers aus dem Leitungsnetz (vor dem Zulauf zur Maschine)
- Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen
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An das Leitungsnetz (Hausinstallation) gebundene Wasserspender Hygienemängel:
im Wasserspender oder
im Verbindungsschlauch (Zulaufwasser) oder
im Leitungsnetz (Hausinstallation)
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- Ausführliche visuelle Kontrolle des Wasserspenders inkl. Verbindungsschlauch
- Verunreinigungen oder Biofilme entfernen
- Gründliche Reinigung und Desinfektion des Wasserspenders (i.d.R. durch Fachfirma)
- Eventuell Verbindungsschlauch zwischen Maschine und Leitungsnetz regelmäßig austauschen
- Verunreinigte Verbindungsschläuche bzw. Schläuche in schlechtem Zustand (z.B. brüchig, porös) umgehend austauschen
- Untersuchung des Trinkwassers aus dem Leitungsnetz (vor dem Zulauf zum Wasserspender)
- Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen
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Weitere Informationen und Literatur
www.gesetze-im-internet.de unter: „Gesetze / Verordnungen“ → „TrinkV“
Energie/Wasser-praxis 11/2016 → Hygienische Sicherheit im Verteilungsnetz – Teil 2
Energie/Wasser-praxis 02/2015 → Mikrobiologische Grundlage einzelner trinkwasserrelevanter Erreger und gesundheitliche Aspekte