28.08.2026 -
Allergenanalytik: Neue Standardmaterialien sollen Vergleichbarkeit von Untersuchungsergebnissen verbessern
Eine aktuelle Veröffentlichung der Untersuchungsämter Baden-Württemberg zeigt einen neuen Ansatz zur Herstellung von Standardmaterialien für die Allergenanalytik. Die Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig geeignete Referenzmaterialien, validierte Verfahren und die Berücksichtigung der jeweiligen Lebensmittelmatrix für zuverlässige Untersuchungsergebnisse sind.
Neue Veröffentlichung zur Allergenanalytik
Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Freiburg hat gemeinsam mit Mitgliedern der § 64-Arbeitsgruppe „Lebensmittelallergene“ die Ergebnisse eines Ringversuchs zum sensitiven und halbquantitativen Screening auf die Allergene Sellerie, Senf und Pistazie veröffentlicht.
Im Mittelpunkt der Untersuchung stand neben der Validierung einer Multiplex-Real-Time-PCR ein neuer, flexibler Ansatz zur Herstellung von Standardmaterialien für die Allergenanalytik.
Hintergrund ist die nach wie vor unzureichende Verfügbarkeit geeigneter Standard- und Vergleichsmaterialien für diesen analytisch anspruchsvollen Bereich. Solche Materialien sind jedoch von großer Bedeutung, um Untersuchungsverfahren zu überprüfen, ihre Leistungsfähigkeit zu beurteilen und Ergebnisse verschiedener Labore besser miteinander vergleichen zu können.
Die im Ringversuch getestete PCR-Methode wurde inzwischen als nationaler Standard in die Amtliche Sammlung von Untersuchungsverfahren nach § 64 LFGB aufgenommen.
Unterschiedliche Lebensmittelmatrices als Herausforderung
Eine besondere Herausforderung der Allergenanalytik liegt in der Vielfalt der zu untersuchenden Lebensmittel.
Für die aktuelle Untersuchung wurden Standardmaterialien in fünf unterschiedlichen Lebensmittelmatrices hergestellt:
- Kochwurst
- Kekse
- Schokolade
- Speiseeis
- Falafel
Anschließend wurde die Multiplex-Real-Time-PCR zum Nachweis von Sellerie, weißem Senf, braunem/schwarzem Senf und Pistazie im Rahmen eines Ringversuchs mit insgesamt elf Laboren untersucht.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die jeweilige Lebensmittelmatrix einen Einfluss auf die analytische Leistungsfähigkeit haben kann. Während bei mehreren Matrices gute Ergebnisse erzielt wurden, zeigten sich insbesondere bei Speiseeis und Falafel Einschränkungen hinsichtlich Wiederfindung und Messunsicherheit.
Damit macht die Veröffentlichung deutlich: Bei der Allergenanalytik kommt es nicht allein darauf an, welches Allergen untersucht werden soll. Auch die Zusammensetzung und Verarbeitung des jeweiligen Lebensmittels sowie das eingesetzte Untersuchungsverfahren müssen berücksichtigt werden.
Warum eine zuverlässige Allergenanalytik für Hersteller wichtig ist
Lebensmittelallergien und -unverträglichkeiten können für betroffene Verbraucher bereits bei geringen Mengen bestimmter Lebensmittelbestandteile relevant sein.
Die Lebensmittelinformationsverordnung (EU) Nr. 1169/2011 schreibt deshalb für 14 Stoffe bzw. Stoffgruppen, die Allergien oder Unverträglichkeiten auslösen können, besondere Kennzeichnungsvorgaben vor. Dazu zählen unter anderem glutenhaltiges Getreide, Krebstiere, Eier, Fisch, Erdnüsse, Sojabohnen, Milch, Schalenfrüchte, Sellerie, Senf, Sesam, Lupinen und Weichtiere sowie Schwefeldioxid und Sulfite oberhalb der festgelegten Konzentration.
Neben bewusst verwendeten Zutaten können Allergene jedoch auch unbeabsichtigt in ein Produkt gelangen – beispielsweise durch Kreuzkontaminationen bei der Rohstofflagerung, Produktion, Reinigung oder Abfüllung.
Ein wirksames Allergenmanagement ist daher ein wichtiger Bestandteil der betrieblichen Qualitätssicherung. Analytische Untersuchungen können unter anderem dabei unterstützen,
- Rohstoffe und Zutaten zu überprüfen,
- mögliche Kreuzkontaminationen zu erkennen,
- Reinigungsmaßnahmen zu kontrollieren,
- Endprodukte abzusichern und
- die betriebliche Risikobewertung mit analytischen Daten zu unterstützen.
PCR oder ELISA? Die Fragestellung entscheidet
Für den Nachweis von Allergenen stehen unterschiedliche analytische Verfahren zur Verfügung.
Beim ELISA-Verfahren werden Proteine beziehungsweise bestimmte Proteinbestandteile nachgewiesen. Das Verfahren ermöglicht bei vielen Allergenen einen sehr sensitiven und quantitativen Nachweis.
Die PCR setzt dagegen auf der Erbgutebene an und weist charakteristische DNA-Sequenzen der jeweiligen allergenen Lebensmittelbestandteile nach. Sie kann insbesondere bei bestimmten Matrices und Fragestellungen Vorteile hinsichtlich Spezifität bieten.
Welches Untersuchungsverfahren am besten geeignet ist, hängt unter anderem vom gesuchten Allergen, der Lebensmittelmatrix, dem Verarbeitungsgrad des Produktes und der konkreten Fragestellung ab.
Genau hier zeigt sich auch die praktische Bedeutung der aktuellen Veröffentlichung: Standardmaterialien und Ringversuche tragen dazu bei, die Leistungsfähigkeit analytischer Methoden unter unterschiedlichen Bedingungen zu überprüfen und Untersuchungsergebnisse besser vergleichbar zu machen.
Allergenuntersuchungen bei BAV Institut
Für die Qualitätssicherung von Lebensmittelunternehmen bieten wir in unseren Tentamus Laboren umfangreiche Untersuchungsmöglichkeiten auf Allergene an.
Je nach Allergen, Produkt und Fragestellung kommen Real-Time-PCR, ELISA oder enzymatische Verfahren zum Einsatz. Das Untersuchungsspektrum umfasst alle 14 Bereiche der in der EU kennzeichnungspflichtigen Allergene.
Neben der Untersuchung von Lebensmitteln können je nach Fragestellung auch Rohstoffe und Umfeldproben Bestandteil eines analytisch unterstützten Allergenmanagements sein.
Die Kombination verschiedener Untersuchungsverfahren ermöglicht es, die Analytik gezielt auf das jeweilige Produkt und die Fragestellung abzustimmen.
Sie möchten Ihre Lebensmittel oder Rohstoffe auf Allergene untersuchen lassen?
Unsere Kundenberatung unterstützt Sie gerne bei der Auswahl geeigneter Untersuchungsverfahren und bei Fragen rund um Allergenanalytik, Qualitätssicherung und Produktsicherheit.
Quellen:
- Untersuchungsämter Baden-Württemberg – „Thema Allergenanalytik: Neue Veröffentlichung im e-Journal ‚Aspects for Food Control and Animal Health‘“
https://www.cvuas.de/pub/beitrag.asp?ID=4436&Pdf=No&Thema_ID=9&lang=DE&subid=3 - Wissenschaftliche Veröffentlichung – „Standard Materials for Allergen Analysis and Their Use in a Ring Trial Validation“
https://www.cvuas.de/ejournal/docs/cvuas_ejournal_202617.pdf - lifeprint GmbH – Allergenanalytik
https://www.lifeprint.de/allergene/
