22.07.2026 - Lebensmittel
Antibiotikaresistenzen bei Campylobacter im Fokus
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat am 10. Juli 2026 die Ergebnisse des europäischen Forschungsprojekts „CarbaCamp“ veröffentlicht. Untersucht wurde die Empfindlichkeit von Campylobacter jejuni und Campylobacter coli gegenüber Carbapenemen – einer Gruppe von Antibiotika, die insbesondere zur Behandlung schwerer bakterieller Infektionen eingesetzt wird.
Campylobacter zählt zu den häufigsten bakteriellen Erregern lebensmittelbedingter Erkrankungen in Europa. Infektionen werden häufig mit unzureichend erhitztem Geflügelfleisch, Kreuzkontaminationen bei der Speisenzubereitung oder verunreinigtem Wasser in Verbindung gebracht.
Isolate aus 16 europäischen Ländern untersucht
Für das CarbaCamp-Projekt wurden mehr als 2.300 Campylobacter-Isolate aus 16 europäischen Ländern angefordert. Die Isolate stammten aus der Überwachung von Nutztieren sowie von Menschen. Insgesamt wurden 1.889 Isolate mithilfe des Agardiffusionstests auf ihre Empfindlichkeit gegenüber verschiedenen Antibiotika untersucht.
Aus dieser Sammlung wurden 600 Isolate für eine weiterführende Bestimmung der minimalen Hemmkonzentration ausgewählt. Dabei prüften die Forschenden insbesondere die Empfindlichkeit gegenüber den Carbapenemen Ertapenem, Imipenem und Meropenem. Ergänzend wurden ausgewählte Isolate genetisch charakterisiert, um mögliche Resistenzmechanismen und Verwandtschaftsbeziehungen zu untersuchen.
Einheitliche Bewertung bisher nur eingeschränkt möglich
Ausgangspunkt des Projekts waren Hinweise auf eine verminderte Empfindlichkeit bestimmter Campylobacter-Isolate gegenüber Carbapenemen. Ertapenem wurde deshalb 2021 in das europäische Resistenzmonitoring bei Campylobacter aufgenommen.
Eine Herausforderung besteht darin, dass für die Bewertung der untersuchten Carbapeneme bei Campylobacter jejuni und Campylobacter coli bislang keine ausreichend harmonisierten epidemiologischen Grenzwerte vorliegen. Solche sogenannten ECOFF-Werte helfen dabei, Bakterien der natürlichen Wildtyppopulation von Isolaten mit erworbenen oder veränderten Resistenzmerkmalen zu unterscheiden.
Das CarbaCamp-Projekt liefert eine umfangreiche europäische Datengrundlage, um die Verteilung der Empfindlichkeit besser zu beurteilen, geeignete Grenzwerte abzuleiten und die verwendeten Untersuchungsverfahren zu vergleichen. Dabei wurden auch mögliche Unterschiede zwischen den beiden Campylobacter-Arten und verschiedenen Tierarten berücksichtigt.
Antibiotikaresistenzen entlang der Lebensmittelkette überwachen
Antibiotikaresistenzen sind eine gemeinsame Herausforderung für Humanmedizin, Tiergesundheit und Lebensmittelsicherheit. Der One-Health-Ansatz betrachtet deshalb Menschen, Tiere, Lebensmittel und Umwelt gemeinsam. Eine harmonisierte Überwachung kann auffällige Entwicklungen frühzeitig sichtbar machen und dazu beitragen, die Ausbreitung resistenter Bakterien besser zu verstehen.
Für Lebensmittelunternehmen bleibt die Vermeidung einer Kontamination mit Campylobacter die wichtigste Maßnahme. Entscheidend sind insbesondere eine wirksame Betriebshygiene, die Vermeidung von Kreuzkontaminationen sowie geeignete mikrobiologische Kontrollen.
Das BAV Institut untersucht Lebensmittel auf thermophile Campylobacter und weitere relevante Krankheitserreger. Auf Wunsch beurteilen unsere Fachleute die Ergebnisse und unterstützen bei der Festlegung geeigneter Untersuchungsumfänge. Für Fragen stehen Ihnen unsere Kundenbetreuer gerne zur Verfügung.
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