Steckbrief zu Escherichia coli (E. coli)

Steckbrief zu Escherichia coli (E. coli)

Steckbrief zu Escherichia coli (E. coli)

Zurück zur Übersicht

Steckbrief zu Escherichia coli (E. coli) in Lebensmitteln

Allgemeines
Escherichia coli (E. coli) gehört zur Familie der Enterobacteriaceae und ist ein natürlicher Darmbewohner bei Mensch und Tier. Deshalb treten diese Bakterien regelmäßig in rohen tierischen Lebensmitteln auf. Da diese Keime in der Umwelt lange überlebensfähig sind, werden sie ebenfalls in rohen pflanzlichen Lebensmitteln nachgewiesen.
Das Auftreten dieser Bakterien sollte durch geeignete Hygienemaßnahmen deutlich eingeschränkt werden. Sie sind ein wichtiger Hygieneindikator und einige Stämme können schwere lebensmittelbedingte Magen-Darm-Erkrankungen hervorrufen.

  • Spezifischere Informationen zu einigen Vertretern: siehe Steckbriefe zu den Stämmen EHEC / STEC / VTEC

Eigenschaften

  • Stäbchenförmige Bakterien
  • Gram-negativ
  • Oxidase-negativ
  • Katalase-positiv

Herkunft / Auftreten

  • Natürlicher Bewohner des Darmtrakts bei Menschen und Tieren
  • Da einige Vertreter lange in der Umwelt überleben können, treten sie ebenfalls in der Erde, in pflanzlichen Lebensmitteln und im Oberflächenwasser auf

Bedeutung

  • Hygieneindikator für Fäkalverunreinigungen
  • Hinweis auf mangelnde Produktions- und Personalhygiene
  • Überlebt lange in der Umwelt (d. h. mehrere Kontaminationsursachen sind in Erwägung zu ziehen)
  • Indikator für potenzielle Gesundheitsgefährdungen durch einige E. coli Stämme (z.B. STEC/EHEC) und anderer Krankheitserreger fäkaler Herkunft

Vermehrungsbedingungen

  • Temperatur:
    • Optimum: +30 °C bis +37 °C
    • Minimum: +7 °C
    • Im Allgemeinen keine Vermehrung über +50 °C
  • pH-Wert: Wachstum bei 4,4 bis 9,0
  • aw-Wert: Vermehrung bei hoher Wasseraktivität von min. 0,95
  • Sauerstoffbedarf: Wachstum mit und ohne Sauerstoff (fakultativ anaerob)

Abtötung durch Erhitzen

  • Bei +72 °C für min. 2 Minuten Einwirkzeit (Achtung: Kerntemperatur kontrollieren)
Mögliche Ursachen für überhöhte Keimzahlen Vorschläge für Maßnahmen
Fehler bei der Reinigung und Desinfektion:
Die Folge sind Kontaminationen von Lebensmitteln durch z.B. mikrobiell verunreinigte Arbeitsgeräte, -gegenständen, -oberflächen oder Maschinen
  1. Durchführung der Reinigung und Desinfektion überprüfen:
    1. Hygieneplan
    2. Durchführung der Reinigung und Desinfektion z. B. Dosierung des Desinfektionsmittels, Einwirkzeit, Einsatz geeigneter und sauberer Materialien und Reinigungstücher
  2. Feuchtigkeitsreste und Biofilme vermeiden. Auf gute Abtrocknung der Anlagen, Geräte und Oberflächen achten
  3. Schulung der Mitarbeiter bzgl. potenzieller Fehler sowie Verbesserungsmaßnahmen
  4. Reinigung und Desinfektion wiederholen
  5. Erfolgskontrolle durch visuelle Vor-Ort-Kontrollen, Umgebungsuntersuchungen und Nachuntersuchungen
Unzureichende Trennung von „rein und unrein“:
Die Folge sind unerwünschte Verunreinigungen reiner Arbeitsbereiche, Geräte oder keimarmer Lebensmittel mit Mikroorganismen, die von „unreinen“ Tätigkeiten oder Lebensmitteln mit hoher Keimbelastung stammen (Kreuz-kontaminationen)
  1. Arbeitsorganisation im Betrieb überprüfen
    1. getrennte Arbeitsbereiche, Arbeitsgeräte und -gegenstände für rohe und verarbeitete Lebensmittel
    2. Trennung „reiner“ und „unreiner“ Bereiche und Tätigkeiten
  2. Schulung der Mitarbeiter bzgl. potenzieller Fehler sowie Verbesserungsmaßnahmen
  3. Erfolgskontrolle durch visuelle Vor-Ort-Kontrollen und Nachuntersuchungen
Fehler bei der Personalhygiene:
Dadurch kann es zur Übertragung von (gefährlichen) Mikroorganismen auf z.B. produktberührende Arbeitsgegenstände oder Lebensmittel kommen.
Mögliche Fehler sind z.B. unzureichende Händehygiene oder Handschuhwechsel, Mängel bei der Körperhygiene, verunreinigte Arbeitskleidung oder fehlerhaftes Verhalten bei Erkrankungen (Mängel beim Infektionsschutz)
  1. Schulung der Mitarbeiter bzgl. potenzieller Fehler sowie Verbesserungsmaßnahmen
  2. Regelmäßige Reinigung und Desinfektion der Hände bzw. regelmäßiger Wechsel der Handschuhe
  3. Regelmäßiger Wechsel der Arbeitskleidung. Auf Sauberkeit der Arbeitskleidung achten
  4. Mitarbeiter bezüglich der Anforderungen an Infektionsschutz schulen
  5. Erfolgskontrolle durch visuelle Vor-Ort-Kontrollen und Nachuntersuchungen
Einsatz mikrobiell belasteter Rohstoffe oder Zutaten:
Sind im Prozess keine sicheren Abtötungsschritte vorhanden, können die daraus hergestellten Lebensmittel potenziell mikrobiell belastet sein
  1. Kontrolle der Produkte am Wareneingang auf z. B. Eingangs- bzw. Transporttemperatur, Haltbarkeit, Verpackung, Abweichungen bzw. Auffälligkeiten
  2. Dies gilt ebenso für die Ware vor dem Einsatz in der Produktion. Im Zweifelsfall sind Lebensmittel nicht zu verwenden und Vorgesetzten fragen
  3. Mikrobiologische Spezifikationen überprüfen. Eventuell auch Laboruntersuchung verdächtiger Produkte veranlassen oder Ergebnisse vom Lieferanten anfordern
  4. Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen
Fehler beim Erhitzen, Warmhalten oder Abkühlen:
Die Folge ist eine unzureichende Abtötung von Mikroorganismen aufgrund unzureichender Erhitzung oder eine starke Keimvermehrung aufgrund zu niedriger Warmhaltetemperaturen in Verbindung mit zu langen Abkühlphasen
  1. Prozesse, Produktionsprotokolle und Dokumentationen prüfen
  2. Abtötung der meisten Bakterien ab einer Kerntemperatur von +72 °C für min. 2 Min. Ausnahmen sind z.B. hitzestabile Sporen und Toxine. In diesen Fällen sind deutlich höhere Temperaturen und Zeiteinwirkung erforderlich. Weitere Angaben dazu finden Sie z.B. in den jeweiligen Infoblättern (Steckbriefen)
  3. Richtigkeit der Prozesse und Temperaturen kontrollieren
    1. Im Allgemeinen sind Warmhalte-temperaturen von über +60°C erforderlich
    2. Schnelle Abkühlung: nach 3 Stunden muss eine Kerntemperatur von min. +7°C erreicht sein (besondere Vorsicht ist bei großen Mengen erforderlich)
  4. Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen
Fehler bei der Kühlung oder zu lange Haltbarkeitsdauer:
Die Folge ist eine zu starke Vermehrung von Mikroorganismen aufgrund von Unterbrechungen der Kühlkette, zu hohe Lagertemperaturen oder einer Überlagerung (zu lange Haltbarkeit) der Lebensmittel
  1. Rückverfolgbarkeit der Kühlkette beim Transport bzw. Lieferant einfordern
  2. Eingangs- und Lagertemperatur kontrollieren
  3. Kühltemperaturen bzw. Kühlketten bei der Verarbeitung, Transport und Verkauf kontrollieren
  4. Bei Verdacht auf Überlagerung (bzw. zu langer Haltbarkeit) entsprechende Lagertests durchführen
  5. Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen
Fehler beim landwirtschaftlichen Anbau, Ernte oder nachgelagerten Prozessen:
Kontamination von pflanzlichen Lebensmitteln beim Anbau durch Ausscheidungen von Tieren, verunreinigtes Wasser bzw. Düngemittel oder Personal
  1. Abstand zu Feldern mit Tierhaltung, Wildtiere von Feldern fernhalten durch z. B. Zäune oder Netze
  2. Wasserhygiene: Zur Bewässerung darf kein kontaminiertes Wasser genutzt werden. Bewässerungs- und Drainagesystems müssen geeignet sein. Regelmäßige Kontrolle der mikrobiologischen Wasserqualität
  3. Beim Pflanzenanbau dürfen keine mikrobiell kontaminierten Düngemittel eingesetzt werden
  4. Personal- & Arbeitshygiene bei Ernte oder nachgelagerten Schritten
  5. Erde bzw. Verunreinigungen durch Waschen entfernen
  6. Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen
Fehlerhafte Reife- und Fermentationsprozesse:
Die Folge sind z.B. unerwünschte Vermehrung oder eine unzureichende Abtötung von Mikroorganismen
  1. Prozesse, Umgebungsbedingungen, Produktionsprotokolle und Dokumentationen prüfen
  2. Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen

 

Weitere Informationen und Literatur

www.bfr.bund.de unter: „Lebensmittelsicherheit“ → „Mikrobielle Risiken von Lebensmitteln“

www.bmel.de unter: „Themen“ → „Verbraucherschutz“ → „Lebensmittelsicherheit“

www.bvl.bund.de unter: „Arbeitsbereiche“ → „Lebensmittel“→ „Unerwünschte Stoffe und Organismen“

www.laves.niedersachsen.de unter: „Lebensmittel“ → „Lebensmittelhygiene“

www.lgl.bayern.de unter: „Lebensmittel“ → „Hygiene“

www.rki.de unter: „Infektionskrankheiten A-Z“/ „Mikrobiologische Diagnostik A-Z“