Steckbrief zu Schimmelpilzen in Lebensmitteln
|
Allgemeines Schimmelpilze sind eine heterogene Gruppe von filamentösen Pilzen. Die meisten Schimmelpilze gehören zu den taxonomischen Gruppen der Schlauchpilze (Ascomycota) und der Jochpilze (Zygomycota).
Schimmelpilze sind in unserer Umwelt weit verbreitet und deshalb auch in vielen Lebensmitteln zu finden. Sie können auf Lebensmitteln nützlich sein, aber auch zum Verderb führen und durch die Bildung von Mykotoxinen gesundheitsgefährdende Eigenschaften für den Verbraucher haben.
→ Spezifischere Infos zu einem Vertreter der Schlauchpilze: siehe Steckbrief zu Hefen
Eigenschaften
- Sporenbildner
- Toxinbildner (Mykotoxine)
- Bilden sichtbares Myzel
|
|
Herkunft / Auftreten
- Schimmelpilze sind in unserer Umwelt weit verbreitet (z. B. Erde, Pflanzen, Luft, Wasser, Menschen, …)
- Auftreten insbesondere in pflanzlichen Lebensmitteln (z. B. Getreideprodukte, Nüsse, Kräuter, Gewürze, Gemüse und Obst), aber auch in Lebensmitteln mit Edelschimmel (zahlreiche Käse und Rohwurstsorten)
|
|
Bedeutung
- Schimmelpilze können zum Verderb von Lebensmitteln führen, gesundheitsgefährdend, aber auch nützlich sein
- Je nach Lebensmittelgruppe wird eine bestimmte Anzahl von Schimmelpilzen in den meisten Lebensmitteln toleriert. Werden diese jedoch überschritten oder kommt es zu sichtbarer Myzelbildung, so deutet dies auf einen Verderb des Lebensmittels oder sogar auf eine potenzielle Gesundheitsgefahr hin
- Von einigen Schimmelpilzen kann eine Gesundheitsgefahr für den Verbraucher ausgehen, da sie sehr giftige Mykotoxine (z. B. Aflatoxine, Ochratoxine, Fusarientoxine, Patulin, …) bilden können
- Gesundheitliche Risiken durch den Verzehr von Schimmelpilzen können neben Magen-Darm-Beschwerden auch Vergiftungen, Leberschäden, Allergien und Atemwegserkrankungen sein
- Verschimmelte Roh- und Zwischenprodukte dürfen nicht mehr weiterverarbeitet werden, da die Toxine teilweise sehr resistent (z. B. hitzeresistent) sind und Verarbeitungsprozesse überstehen können
- Beim Einsatz von Edelschimmel z.B. bei einigen Käse- und Rohwurstsorten wie Camembert und Salami, ist eine hohe Anzahl an Schimmelpilzen und hohe Gesamtkeimzahl zu erwarten. Bei diesen Lebensmitteln dürfen diese Untersuchungsparameter nicht aufgrund hoher Keimzahlen beanstandet werden
- Einige Vertreter von Schimmelpilzen können auch noch bei niedrigen Wassergehalten und/oder niedrigen pH-Werten wachsen
|
|
Vermehrungsbedingungen
- Temperatur:
- Optimum: +25 °C bis +35 °C
- Minimum: 0 °C
- Im Allgemeinen keine Vermehrung bei über +50 °C
- pH-Wert: Wachstum bei pH 3,0 bis 7,0 (abhängig vom Vertreter)
- aw-Wert: Vermehrung bei einer Wasseraktivität von min. 0,62 bis 0,85 (abhängig vom Vertreter)
- Einige Schimmelpilze haben osmophile bzw. osmotolerante oder säuretolerante Eigenschaften. Das bedeutet diese können auch noch bei niedrigem Wasser- und pH-Wert wachsen
- Sauerstoffbedarf: aerob
|
|
Abtötung durch Erhitzen
- Bei +72 °C für min. 2 Minuten Einwirkzeit werden die meisten Schimmelpilze abgetötet (Achtung: Kerntemperatur kontrollieren) → Zu beachten: es existieren aber auch hitzeresistente Schimmelpilz-Vertreter (z. B. Neosartorya fischeri, Byssochlamys nivea, Talaromyces flavus, und Eupenicillium spp.). Zudem ist potenziell die Bildung hitzeresistenter Mykotoxine möglich.
- Schimmelpilz-Sporen werden ab einer Kerntemperatur von +80 °C abgetötet
|
| Mögliche Ursachen für überhöhte Keimzahlen |
Vorschläge für Maßnahmen |
Einsatz mikrobiell belasteter Rohstoffe oder Zutaten: Sind im Prozess keine sicheren Abtötungsschritte vorhanden, können die daraus hergestellten Lebensmittel potenziell mikrobiell belastet sein (z. B. Getreideprodukte, Gewürze, Kräuter, …) |
- Kontrolle der Produkte am Wareneingang auf z. B. Eingangs- bzw. Transporttemperatur, Haltbarkeit, Verpackung, Abweichungen bzw. Auffälligkeiten
- Dies gilt ebenso für die Ware vor dem Einsatz in der Produktion. Im Zweifelsfall sind Lebensmittel nicht zu verwenden und Vorgesetzten fragen
- Mikrobiologische Spezifikationen überprüfen. Eventuell auch Laboruntersuchung verdächtiger Produkte veranlassen oder Ergebnisse vom Lieferanten anfordern
- Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen
|
Fehler bei der Kühlung oder zu lange Haltbarkeitsdauer: Die Folge ist eine zu starke Vermehrung von Mikroorganismen aufgrund von Unterbrechungen der Kühlkette, zu hohe Lagertemperaturen oder einer Überlagerung (zu lange Haltbarkeit) der Lebensmittel |
- Rückverfolgbarkeit der Kühlkette beim Transport bzw. Lieferant einfordern
- Eingangs- und Lagertemperatur kontrollieren
- Kühltemperaturen bzw. Kühlketten bei der Verarbeitung, Transport und Verkauf kontrollieren
- Bei Verdacht auf Überlagerung (bzw. zu langer Haltbarkeit) entsprechende Lagertests durchführen
- Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen
|
Fehler beim Erhitzen, Warmhalten oder Abkühlen: Die Folge ist eine unzureichende Abtötung von Mikroorganismen aufgrund unzureichender Erhitzung oder eine starke Keimvermehrung aufgrund zu niedriger Warmhaltetemperaturen in Verbindung mit zu langen Abkühlphasen |
- Prozesse, Produktionsprotokolle und Dokumentationen prüfen
- Abtötung der meisten Schimmelpilze ab einer Kerntemperatur von +72 °C für min. 2 Minuten. Schimmelpilz-Sporen werden ab +80 °C abgetötet. Achtung Mykotoxine sind häufig sehr hitzebeständig
- Richtigkeit der Prozesse und Temperaturen kontrollieren
- Im Allgemeinen sind Warmhalte-temperaturen von über +60°C erforderlich
- Schnelle Abkühlung: nach 3 Stunden muss eine Kerntemperatur von min. +7°C erreicht sein (besondere Vorsicht ist bei großen Mengen erforderlich)
- Erfolgskontrolle durch Nachuntersuchungen
|
Fehler bei der Reinigung und Desinfektion sowie unzureichende Hygiene bei der Belüftung: Die Folge sind Kontaminationen von Lebensmitteln durch z.B. mikrobiell verunreinigte Arbeitsgeräte, -gegenständen, -oberflächen oder Maschinen. Hinweis zur Lufthygiene: Eine unzureichende Belüftung, unhygienische Belüftungsanlagen, hohe Luftfeuchtigkeit und hohe Feuchte an Decken, Wänden und Fenstern können zu überhöhten Keimzahlen an Schimmelpilzen in der Luft führen |
- Durchführung der Reinigung und Desinfektion überprüfen:
- Hygieneplan
- Durchführung der Reinigung und Desinfektion z. B. Dosierung des Desinfektionsmittels, Einwirkzeit, Einsatz geeigneter und sauberer Materialien und Reinigungstücher
- Feuchtigkeitsreste und Biofilme vermeiden. Auf gute Abtrocknung der Anlagen, Geräte und Oberflächen achten
- Im Falle überhöhter Luftkeimzahlen entsprechende Maßnahmen zur Reduktion der Anzahl an Schimmelpilzen einleiten
- Schulung der Mitarbeiter bzgl. potenzieller Fehler sowie Verbesserungsmaßnahmen
- Reinigung und Desinfektion wiederholen
- Erfolgskontrolle durch visuelle Vor-Ort-Kontrollen, Umgebungsuntersuchungen und Nachuntersuchungen
|
Weitere Informationen und Literatur
www.bfr.bund.de unter: „Lebensmittelsicherheit“ → „Mikrobielle Risiken von Lebensmitteln“
www.bmel.de unter: „Themen“ → „Verbraucherschutz“ → „Lebensmittelsicherheit“
www.bvl.bund.de unter: „Arbeitsbereiche“ → „Lebensmittel“→ „Unerwünschte Stoffe und Organismen“
www.laves.niedersachsen.de unter: „Lebensmittel“ → „Lebensmittelhygiene“
www.lgl.bayern.de unter: „Lebensmittel“ → „Hygiene“
www.rki.de unter: „Infektionskrankheiten A-Z“/ „Mikrobiologische Diagnostik A-Z“